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Essayist Michael Rutschky mit 74 Jahren gestorben

Berlin. (dpa/SZ) Er spazierte, oft mit Cockerspaniel und Kamera, durch die Welt, schaute genau hin und hielt seine Beobachtungen in Wort und Bild fest: Michael Rutschky, ein Essayist mit dem scharfen Blick für das Besondere im Alltag, ist mit 74 Jahren nach längerer Krankheit in der Nacht zum Sonntag in Berlin gestorben. Zuletzt waren von ihm 2017 die Tagebuchaufzeichnungen „In die neue Zeit“ erschienen, die um seine Sicht auf die deutsche Umbruchphase 1988 bis 1992 kreisten.

(dpa/SZ) Er spazierte, oft mit Cockerspaniel und Kamera, durch die Welt, schaute genau hin und hielt seine Beobachtungen in Wort und Bild fest: Michael Rutschky, ein Essayist mit dem scharfen Blick für das Besondere im Alltag, ist mit 74 Jahren nach längerer Krankheit in der Nacht zum Sonntag in Berlin gestorben. Zuletzt waren von ihm 2017 die Tagebuchaufzeichnungen „In die neue Zeit“ erschienen, die um seine Sicht auf die deutsche Umbruchphase 1988 bis 1992 kreisten.


 Rutschky wuchs im nordhessischen Spangenberg auf und studierte in Frankfurt Soziologie bei Adorno und Habermas. Der Buchautor („Wie wir Amerikaner wurden“; „Das Merkbuch. Eine Vatergeschichte.“) arbeitete auch für Zeitungen und Zeitschriften, etwa für „Merkur“ und „Transatlantik“, sowie für Radio und TV. Zwölf Jahre lang wirkte Rutschky an der Zeitschrift „Der Alltag. Die Sensationen des Gewöhnlichen“ mit. Erst als er 1997 den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg erhielt, wurde sein Werk breiter gewürdigt. Rutschky, der seit langem in Berlin-Kreuzberg lebte, analysierte bis kurz vor dem Tod mit Leidenschaft in kleinen Runden die Veränderungen seiner Umwelt, Kinofilme und TV-Serien. Seine langjährige Frau, die Publizistin Katharina Rutschky („Schwarze Pädagogik“), war 2010 gestorben.