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Homburger Meisterkonzerte
Eruptives Finale der Homburger Meisterkonzerte

Homburg. Abschluss und Höhepunkt der Homburger Konzertsaison war das Kammerkonzert am Donnerstag im Saalbau. Perkussionist Simone Rubino hatte Johann Sebastian Bach, den „Immortal Bach“, zum Tenor seiner Programmfolge erkoren – genauer dessen dritte Suite in C-Dur für Violoncello, auf dem Marimbaphon gespielt und durch die Generalbasstöne ergänzt, die man sich im Original meist erfühlen muss.

Sechs Einzelstücke, gepaart mit Kompositionen zeitgenössischer Musiker.


Das erzeugte eine wellenartige Spannungskurve: Bach, sanft, harmonisch und entspannt auf dem perfekt gespielten Marimba, kontrastiert von Zeitgenössischem. Oft laut, aggressiv, provozierend. Etwa „Asventuras“ von Alexey Gerassimez und „Prim“ von Áskell Másson: Kompendien der Spieltechniken auf der kleinen Trommel mit Schnarrsaiten. „Esegesi“ von Roberto Bocca für Vibraphon nahm virtuos Bezug auf barocke Bewegungsmodelle und jazzige Gesten. „Power Station“ von Carlo Boccadoro machte seinem Titel auf fünf Trommeln, Becken und  Trillerpfeife alle Ehre. Originell präsentierte Rubino Casey Cangelosis „Bad Touch“: Auf abgedunkelter Bühne tönten aus Lautsprechern sich verdichtende Stimmen, Geräusche, Schlagzeugeffekte. Als Abschluss folgte „Rebond B“ von Altmeister Iannis Xenakis mit rhythmischen Ostinati auf Trommeln, Bongos, Conga, Holzblöcken: ein Feuerwerk an Präzision und Energie. Das ganze Programm wurde getragen von unglaublicher technischer Perfektion und rhythmischer Leidenschaft. Ließ Rubino sein Marimba bei den Bachschen Tanzsätzen singen, gelang ihm bei der Zugabe, einem eigenen „Choral“ zum Gedenken an seinen 2016 verstorbenen Lehrer Peter Sadlo, ein mystisch-meditativer Ausklang nach all der kraftvollen Animation und perkussiven Eruption. Stark!