| 20:08 Uhr

Auszeichnung
Ermutigend Neues von der Saar-Architektur

 Das vom Saarbrücker Büro FLOSUNDK erbaute Büro- und Wohnhaus in Saarbrücken besticht laut Jury durch ,,seine zurückhaltende Formensprache, seine einprägsame Materialität und seinen umsichtigen Ortsbezug. Foto: Sven Paustian
Das vom Saarbrücker Büro FLOSUNDK erbaute Büro- und Wohnhaus in Saarbrücken besticht laut Jury durch ,,seine zurückhaltende Formensprache, seine einprägsame Materialität und seinen umsichtigen Ortsbezug. Foto: Sven Paustian FOTO: Sven Paustian
Saarbrücken. Heute verleiht der Bund Deutscher Architekten (BDA) Saar seine Preise. Die prämierten Bauten zeigen die Qualität der hiesigen Büros. Christoph Schreiner

Wenn heute Abend in der Saarbrücker Staatskanzlei die BDA-Preise (Bund Deutscher Architekten) verliehen werden, lässt sich dort einer der vier Preisträgerbauten gleich inspizieren: Das Saarbrücker Büro Krüger & Krüger hat für seine denkmalgerechte Sanierung des Regierungssitzes einen derr insgesamt vier vergebenen BDA-Preise erhalten. Acht Jahre ist es her, seit der BDA-Saar seine Auszeichnungen für Architektur und Städtebau zuletzt verliehen hat - finanzielle Engpässe des monetär schmalbrüstigen BDA waren Hauptgrund dafür, den üblichen Vierjahrestakt zu kippen. Dass in diesem Jahr deutlich mehr Büros als 2008 oder 2004 teilnahmen (42 Einreichungen im Gegensatz zu jeweils unter 30 zuvor), liegt jedoch nicht nur an diesem Zeitfaktor. Sondern auch an der vergleichsweise guten Baukonjunktur an der Saar. "Im Zeitraum 1995 bis 2004 ist deutlich weniger gebaut worden als seither", meint der BDA-Vorsitzende Carsten Diez. Er betont das ausgewogene Verhältnis privater und öffentlicher Bauten bei den diesjährigen BDA-Preisen - in früheren Jahren gab es weniger qualitätvolle Privatbauten. Fast nicht existent im Saarland sind Geschosswohnungsbauten.


Neben dem Büro Krüger & Krüger, das den Preis auch für seine Sanierung des Ludwigsplatzes zuerkannt bekam, verleiht der BDA drei weitere Preise: Erwartbar war die Prämierung der Ensdorfer Großskulptur "Saarpolygon" (siehe Info mit allen Preisträgern), die bereits zum Symbol für den Strukturwandel hochgedichtet worden ist und fraglos Land Art-Qualitäten besitzt. Gleichfalls nicht überraschend, sofern man diesen fünfgeschossigen, wohlproportionierten Monolithen kennt, dürfte die Auszeichnung des Saarbrücker Architektenbüros FLOSUNDK für ein ästhetisch bestechendes Saarbrücker Stadthaus sein, das zugleich Büro- und Wohnhaus der Architekten ist. Der vierte der Preise geht an das junge Saarlouiser Büro CBAG für Umbau und Erweiterung des früheren Saarlouiser Oberverwaltungsgerichts zum Viersterne-Hotel mit opulentem Park. Mustergültig verknüpfen die Architekten Christina Beaumont und Achim Gergen die Gerichtsvilla mit einem Neubau, dessen perforierte Alufaltläden tags geöffnet und nachts geschlossen werden. Damit sind drei der vier Preisträger hiesige Büros - eine bemerkenswerte Quote. Auch dann noch, wenn man weiß, dass sie exakt die Proportion bei den 42 Einreichungen (zehn von auswärtigen Büros) abbildet.

Nimmt man die von der Jury (Kerstin Molter/Kaiserslautern; Christian Bauer/Luxemburg; Axel Sowa/RWTH Aachen; Oskar Spital-Frenking/Lüdinghausen) überdies quasi als 2. Preise vergebenen vier "Auszeichnungen" hinzu, wird einmal mehr deutlich, dass im Saarland fraglos auch gute Architektur entsteht. Bedacht wurden mit Auszeichnungen im einzelnen:



1) ein intelligenter Kirchen-Umbau in Homburg-Bruchhof per 90-Grad-Drehung des Liturgiebereichs, durch die dort Raum gewonnen wird für Nicht-Sakrales

2) der exzellente Umbau der Saarbrücker Unteren Bauaufsicht zum Bau-Bürgeramt

3) ein Architektenbüro als Haus-im-Haus-Lösung im einstigen Bahnausbesserungswerk Burbach

4) ein Saarlouiser Büro-Neubau, der durch sein offenes Raumgefüge und seine multiplen Nutzungsmöglichkeiten besticht.

Unterm Strich bleibt aus Sicht des BDA-Saar-Vorsitzenden Diez festzuhalten, dass sich unter den Auszeichnungen weder ein Kita- oder Schul-Umbau (drei Einreichungen) noch ein Hochschulbau (fünf Einreichungen) noch ein klassischer Gewerbebau (sechs Einreichungen) findet. Dabei sind gerade diese prägend im Saarland. Diskussionswürdig ist durchaus auch, ob einzelne Büros mehrfach ausgezeichnet werden müssen (konkret das Saarlouiser Büro CBAG sowie - sofern man die Anerkennungen hinzuzieht - das Kaiserslauterner Büro Bayer und Strobel). Die Preise hätten fraglos auch auf mehr Schultern verteilt werden können. Dass markante Neubauten oder Sanierungen gar nicht erst eingereicht wurden (ob nun das Cispa-Institut an der Uni, das Saarlouiser Theater am Ring, das Ärztehaus an der Congresshalle oder das Ex-Siemens-Hochhaus), verzerrt das Bild auch etwas. Ermutigend bleibt dieses aber allemal.

Eröffnung der Ausstellung aller eingereichten Arbeiten heute um 20 Uhr im Foyer der Saarbrücker HBK. Zu sehen bis 26. Mai (werktags von 9 bis 18 Uhr). Zum Preis von 15 € ist ein Katalog erhältlich.

Zum Thema:

Preise erhalten: 1) Die Landmarke "Saarpolygon" auf Halde Duhamel in Ensdorf (pfeiffer sachse architekten/Berlin) 2) Umbau/Erweiterung des früheren Oberverwaltungsgerichts zum Hotel La Maison in Saarlouis (CBAG.Studio Architekten/SLS) 3) Neubau eines Stadthauses am Mügelsberg in Saarbrücken (FLOSUNDK architektur + urbanistik/Saarbrücken) 4) Denkmalgerechte Sanierung von Ludwigsplatz/Staatskanzlei in Saarbrücken (Krüger Architekten/SB). Auszeichnungen erhalten: 1) Umbau und Sanierung der ev. Christuskirche in Bruchhof-Sanddorf (ARGE bayer + uhrig architekten/Kaiserslautern mit Modersohn & Freiesleben Architekten/Berlin) 2) Umbau eines Verwaltungsgebäudes in Saarbrücken (Bayer und Strobel Architekten/Kaiserslautern) 3) Federnschmiede-Umbau zum Architektenbüro auf dem Areal des Ex-Bahnausbesserungswerks in SB (Brünjes Architekten/Saarbrücken) 4) Bürohaus-Neubau "Green House" in SLS (CBAG.Studio Archit.)

 Die Jury rühmt, dass das Saarlouiser Büro CBAG, das das Ex-Oberverwaltungsgericht in Saarlouis zum Hotel umgebaut und erweitert hat, zwei ungleiche Gebäude auf souveräne Weise „zu einem harmonischen Ganzen fügt“. Foto: LaMaison
Die Jury rühmt, dass das Saarlouiser Büro CBAG, das das Ex-Oberverwaltungsgericht in Saarlouis zum Hotel umgebaut und erweitert hat, zwei ungleiche Gebäude auf souveräne Weise „zu einem harmonischen Ganzen fügt“. Foto: LaMaison FOTO: LaMaison