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Neues Literaturfestival im Saarland
„Erlesen“ soll es heißen, wird es das auch sein?

Saarbrücken. Die saarländischen Buchhändler planen im kommenden Frühjahr ein großes Literaturfestival. Von Christoph Schreiner
Christoph Schreiner

() „Erlesen“ soll es heißen – ob es aber auch erlesen sein wird, das muss sich erst noch zeigen. Jedenfalls plant der Landesverband der saarländischen Buchhändler im Frühjahr ein Literaturfestival, das nicht auf Saarbrücken konzentriert sein soll. Was für sich genommen schon rühmlich ist, weil das hier bis dato noch niemandem eingefallen ist. Obwohl es an Buchhädnlern, die nicht nur rührig sind, sondern auch Lesungen organisieren,  hierzulande nicht fehlt – selbst wenn deren Zahl sich an ein, zwei Händen abzählen lässt. 


Das Programm des vom regionalen Börsenverein des deutschen Buchhandels mit unterstützten „Festivals“ steht bislang zwar erst in Teilen. Klar aber ist, dass die „Literaturtage im Saarland“ vom 7. bis 21. April laufen und 20 bis 25 Lesungen bieten sollen, wie die Geschäftsführerin des Börsenvereins (Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland), Stefanie Brich, auf Anfrage mitteilt. Brich, seit Februar als Nachfolgerin von Klaus Feld im Amt, betont, dass der Impuls zu dem Literaturfestival von den Buchhändlern ausging. Jede der mutmaßlich zehn bis 15 teilnehmenden Buchhandlungen (von 34 existierenden landesweit) entscheide selbst, wen sie einladen wolle.

Fragt man Kurt Hoffmann, Inhaber der Saarbrücker Buchhandlung Raueiser und im Landesvorstand, was im Detail geplant ist, hört man vor allem zugkräftige Namen. Die Auftaktveranstaltung am 7. April soll etwa Thrillerautor Sebastian Fitzeck bestreiten, der hier vor Jahresfrist mühelos die Congresshalle füllte. Hoffmann sagt auch, dass er gerade auch Ulrich Wickert verpflichtet habe für April: Gerade erst las der im ausverkauften Schlossfestsaal und hätte auch die Congresshalle gefüllt – so gut zieht Wickert. Hoffmann hat ja recht: „Die Premiere darf nicht in die Hose gehen.“ Das Festival soll keine Eintagsfliege bleiben.



Ob allerdings eine geballte Ladung Populärliteratur schon ein Literaturfestival macht, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Zu hoffen ist, dass das Programm auch den Liebhabern ambitionierter Literatur Anlässe geben wird, sich aufzumachen zu „Erlesen“. Wäre es doch ein fataler Irrtum, etwa anzunehmen, dass hierzulande nur Krimis und Unterhaltungsliteratur goutiert werden. Auch wenn der Saarbrücker Buchhändler Ludwig Hofstätter, der dort mit seiner Reihe „Böll & Hofstätter“ seit Jahren für die interessantesten Lesungen sorgt, sich gerade mit dem Gedanken trägt, die Zahl seiner zehn bis zwölf Lesungen im Jahr zu halbieren. Ganz unabhängig vom geplanten Literaturfestival überlege er, „ob anders das Besondere nicht zum Beliebigen wird“. Dass unlängst zu einer seiner Lesungen mit Peter Bichsel nur 80 Leute kamen, nennt Hofstätter „besorgniserregend“. Mit anderen Worten: Er sähe da mehr Potenzial.

Damit auch Buchläden auf dem Land, die noch mehr rechnen müssen, an dem Festival partizipieren können, wird der Börsenverein sie wohl finanziell unterstützen. Lesungen kosten – alleine der Gewerkschaftstarif von Verdi sieht 300 Euro vor. Dazu kommen häufig noch Reise- und Übernachtungskosten. Umso achtbarer, dass etwa die Blieskasteler Gollenstein Buchhandlung dennoch Lana Lux mit ihrem ukrainischen Roman „Kukolka“ einlädt, der das Thema  Zwangsprostitution mit drastischen Mitteln aufarbeitet. Oder sollte auch Lux unter das Motto „Das geht immer“ fallen?