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Erforscher des Klangspektrums

Saarbrücken. Stimme und Streicher sind bevorzugte Farben der Saarbrücker Sommermusik 2016. Den Part der Stimme übernahm nun, so Festivalchef Thomas Altpeter zur Begrüßung, einen Abend lang die Posaune von Paul Hubweber: Flankiert von den Kontrabassisten Ulrich Phillipp und Georg Wolf stand Hubweber am Freitag im Kleinen Theater im Rathaus im Zentrum einer ungewöhnlichen Instrumentenkombination. Phillipp, Wolf und Hubweber, allesamt Spitzen der deutschen Improvisationsszene und bekannte Sommermusikgäste, ließen sich in der "Doppelbassposaune" getauften Konstellation hier freilich noch nicht hören. Bei ausgedehnten freien Fantasien erforschte der Dreier ein Spektrum von Klangmöglichkeiten, das keine Wünsche offen ließ. Sattes Unisono-Brummen massierte ebenso die Ohren wie sirenenartiges Heulen, wenn die Bassisten, emsig streichend, tiefe und erstaunlich hohe Register erkundeten - mittendrin klagte die Posaune. Neben raumfüllendem Forte gab es viel Feinnerviges, mit Obertönen, perkussiven Knüffen aufs Holz und Luftgeräuschen des mit Dämpfer geblasenen Blechbläsers. In derlei Momenten im Grenzbereich zwischen Ton und Geräusch verschmolzen die Klangerzeuger nicht selten zur Einheit. Fesselnde Momente hatte der Abend gerade bei Ruhestrecken im Pianissimo. Ein sanfter Peitschenhieb von Georg Wolf mit dem Bogen durch die flirrende Luft war schon ein Ereignis. Im Finale des Improvisationsreigens näherten sich Phillipp, Wolf und Hubweber auf Sichtweite der "gegenständlichen" jazznahen Musik. Kräftiger Beifall, Zugabe. Stefan Uhrmacher

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