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Oper
Ein Pferd im Stall, das auf die Rennbahn will

Mit einem Namen wie „Linnosaari“ war es wohl nur eine Frage der Zeit, an der Saar anzukommen: Pauliina Linnosaari (hier in der Rolle der Mathilde in Rossinis Oper „Guillaume Tell“).
Mit einem Namen wie „Linnosaari“ war es wohl nur eine Frage der Zeit, an der Saar anzukommen: Pauliina Linnosaari (hier in der Rolle der Mathilde in Rossinis Oper „Guillaume Tell“). FOTO: Martin Kaufhold
Saarbrücken. Seit dieser Spielzeit ist die finnische Sopranistin Pauliina Linnosaari neu im Opern-Ensemble des Staatstheaters, demnächst singt sie in „La Bohème“ – eine Begegnung. Leslie Dennert

„Das ist nicht genug, das kannst Du besser!“ Pauliina Linnosaari erinnert sich. „Meine Gesangslehrerin hat alles aus mir rausgekitzelt. Für mich war das genau richtig – und wichtig. Sie hat meine Stimme geöffnet.“



Seit Beginn der Spielzeit steht die Finnin als festes Ensemble-Mitglied auf der Bühne des Saarländischen Staatstheaters. In Rossinis Oper „Guillaume Tell“ singt sie die Mathilde, Ende Oktober wird sie als Mimi in Puccinis „La Bohème“ auf der Bühne stehen. Dabei war ihr Weg ursprünglich ein anderer. Mit fünf Jahren lernte sie Geige, danach Klavier. Linnosaari machte ihr Diplom als Musiklehrerin an der Sibelius Akademie in Helsinki. Sie unterrichtete „nur“ als Lehrerin, unter anderem auch Kinder im Musikclub, vergleichbar mit unserer musikalischen Früherziehung. Doch dank der Entdeckung und Förderung durch ihre Gesangslehrerin wandte sie sich immer wieder dem Gesang zu. Sang an der Finnischen Nationaloper Helsinki etwa die 2. Dame in der finnischen Oper „Kung Karls Jakt“ von Fredrik Pacius.

2008 kam ihr großer Tag: Die Sängerin der Titelrolle war krank. Linnosaari hatte die Rolle einstudiert und sprang ein – ohne Probe. Spätestens da war auch ihr klar, dass sie als Sängerin auf die Bühne gehört. Dann ging alles ganz schnell. Linnosaari sang hier und da, große und kleine Rollen. Erhielt Stipendien und nahm weiteren Unterricht –  etwa in Weimar und Indiana, USA. Nutzte Meisterkurse und Wettbewerbe zur eigenen Profilierung. Sang in Berlin, Zürich, Basel vor.

Und nun also hat sie ihr erstes festes Engagement und ist überglücklich. „Auf diese Chance habe ich gewartet. Ich fühlte mich wie ein Pferd im Stall, das nur darauf wartet, auf die Reitbahn zu kommen und sein Rennen zu machen.“ Die Sopranistin lacht. Wichtig bei allen Rollen ist ihr vor allem auch das Schauspielerische, fast wichtiger als der Gesang. „Wenn ich nur ein bisschen krank bin, singe ich trotzdem. Mimi ist ja auch krank. Ich stürze mich in die Rolle, und irgendwann kommt auch die Stimme.“ Die größte Herausforderung für die neue Ära als festes Ensemble-Mitglied umreißt sie mit dem Satz: „Es ist schon eine Umstellung, Vorstellungen zu singen und parallel dazu neue Rollen einzustudieren.“ Denn ihr Engagement in Saarbrücken ist das eine, darüber hinaus hat sie weitere Verpflichtungen, etwa als Chrysothemis in Richard Strauss‘ Oper „Elektra“ in Basel oder Desdemona in Verdis „Otello“ bei den Savonlinna Opernfestspielen in Finnland. Doch die Sopranistin, das nimmt man ihr ohne weiteres ab, ist voller Elan. Ihre Devise: „Ich muss jetzt gut planen.“

Ihr Vorsingen in Saarbrücken organisierte ihre Agentur. „Ich weiß noch, als ich über den St Johanner Markt ging. Ich hatte plötzlich dieses gute Gefühl, so eine Vorahnung“, erzählt Linnosaari. Es war das letzte Vorsingen, das auf ihrem Plan stand. Es hat sich gelohnt. Heute lebt sie hier mit Mann und Sohn, alle fühlen sich wohl „Wir lieben diese Stadt. Sie ist sehr schön und nicht zu groß.“ Mit einem Namen wie „Linnosaari“ war es wohl nur eine Frage der Zeit, an der Saar anzukommen.



Premiere von „La Bohème“: 21. Oktober im Großen Haus.