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Ex-HfM-Rektor Thomas Krämer
Ein Passionierter im Land „kurzer Wege“

„Ich war ein leidenschaftlicher Lehrer“, sagt Thomas Krämer. Einer, der unter Musiktheorie vor allem Musikpraxis verstand und in über 30 Jahren etwa 2000 Studenten begleitete – und sich neidlos freute, wenn die ihn überflügelten.
„Ich war ein leidenschaftlicher Lehrer“, sagt Thomas Krämer. Einer, der unter Musiktheorie vor allem Musikpraxis verstand und in über 30 Jahren etwa 2000 Studenten begleitete – und sich neidlos freute, wenn die ihn überflügelten. FOTO: Kerstin Krämer
Saarbrücken. In seiner Zeit als Rektor der Saarbrücker Musikhochschule (1996-2004) hat Thomas Krämer viel bewegt. Nun geht der Musikprofessor in Rente. Von Kerstin Krämer

„Raus aus dem Elfenbeinturm! Wir sind gut, aber wir müssen es auch zeigen.“ Mit diesem Credo trug Thomas Krämer dazu bei, die Hochschule für Musik Saar (HfM) stärker in der Öffentlichkeit zu verankern – als Professor für Musiktheorie und Gehörbildung, als Leiter des Studienbereichs Musikerziehung, als Prorektor und vor allem während seiner Amtszeit als Rektor. Die Hochschulleitung hatte Krämer von 1996 bis 2004 inne; er gab sie freiwillig ab, um sich wieder stärker dem Unterrichten widmen zu können.


„Ich war ein leidenschaftlicher Lehrer“, bekennt er. Einer, der großen Wert auf sauberes Handwerk legte und unter Musiktheorie vor allem Musikpraxis verstand – ein Pädagoge, der in über 30 Jahren rund 2000 Studenten begleitete und sich neidlos darüber freute, wenn seine Schüler ihn überflügelten. Nun geht Krämer, Jahrgang 1952, zum Ende des Sommersemesters in Ruhestand und wird im Rahmen eines Abschiedskonzerts als erster HfM-Dozent mit der Ehrendoktorwürde für seine Verdienste um die Musikhochschule geehrt. Das sind nicht wenige, stellte Krämer doch entscheidende Weichen, um Strukturen aufzubrechen und die HfM als moderne und weltoffene Hochschule zu etablieren. „Wir sind eine Marke geworden“, sagt er selbstbewusst.

1985 – nach freiberuflicher Tätigkeit als Chorleiter, Organist und Musiklehrer und einer Privatdozentur für Musiktheorie und Gehörbildung an der Musikhochschule Detmold – kam Krämer an die HfM, um ein neues Gehörbildungssystem zu installieren. Im Saarland fühlte sich der in Westfalen aufgewachsene Sohn sächsischer Eltern so wohl, dass er blieb und lukrative Angebote von außerhalb ausschlug. Als „überzeugter Europäer“ schätzt Krämer die Grenznähe, zum anderen wusste er die „kurzen Wege“ zu nutzen, um Dinge voranzubringen – um etwa prominente Dozenten wie Maxim Vengerov oder Irwin Gage hierher zu locken und Drittmittel von Sponsoren einzutreiben. So konnte Krämer, der ein ausgesprochenes Faible für die so genannte Unterhaltungsmusik pflegt, den Studiengang Jazz und Popularmusik/Aktuelle Musik institutionalisieren und mit renommierten Lehrkräften besetzen. Andere heutige Dozenten bildete er quasi selbst aus und schaffte es, alle Orchesterinstrumente mit einer Professur zu besetzen.



Vor allem aber trieb Krämer neben Finanzkonsolidierung, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Digitalisierung auch die Vernetzung und Internationalisierung der Hochschule voran. So etablierte er erstmals eine Pressestelle, damit einher ging die Professionalisierung der Internetpräsenz und des Hochschulmagazins „Alla Breve“. Außerdem initiierte er die Reihe „Musikhochschule unterwegs“, baute das Saar-Lor-Lux-Orchester mit auf und knüpfte Patenschaften mit Musikhochschulen in Peking und Seoul. Parallel beackerte er Terrains weiter, für die seine Vorgänger den Boden bereitet hatten. So intensivierte er Kooperationen mit Musikschule, Staatstheater und Saar-Uni, linderte die Raumnot der HfM durch die Auslagerung des Opernstudios, was zugleich dem Musiktheater zu mehr Aufmerksamkeit verhalf, und schuf eine zweite Planstelle für den Studiengang Elementare Musikpädagogik – der lag ihm besonders am Herzen.

Neben seinem Engagement für die Hochschule machte sich Krämer einen guten Namen als Komponist, Chordirigent und Kirchenmusiker; als Fachbuch-Autor verfasst(e) er anerkannte Standardwerke der Musiktheorie. Die schreibt er übrigens stets in den frühen Morgenstunden: „Ich bin notorischer Frühaufsteher.“ Nach all den Jahren, in denen er Leistungen bewerten musste, in Gremien stritt und bei Politikern Überzeugungsarbeit leistete, freut er sich jetzt darauf, Musik zu genießen. Zum Beispiel das Abschiedskonzert mit einem Wunschprogramm und Interpreten, denen er sich besonders verbunden fühlt. Krämer: „Ich werde Musik ganz neu entdecken!“

Abschiedskonzert für Thomas Krämer am Sonntag ( 17 Uhr) in der  Stiftskirche St. Arnual: Werke von Bach, Brahms, Theo Brandmüller, Jörg Nonnweiler und Thomas Krämer.
Es musizieren Jörg Abbing, Christian von Blohn sowie der Hochschulchor unter Leitung von Georg Grün. Der Eintritt zum Konzert ist frei – es gibt allerdings nur ein begrenztes Karten-Kontingent!