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Saarbrücker Festival
Ein Kessel Buntes als Leistungsschau

Der Violinist und Sänger Matt Howden, Kopf der britischen Formation Sieben. Er kommt am 14. Oktober in das Garelly-Haus zum „Cinefonie Tag“ mit Konzerten, Lesungen und musikalisch live begleiteten Stummfilmen.
Der Violinist und Sänger Matt Howden, Kopf der britischen Formation Sieben. Er kommt am 14. Oktober in das Garelly-Haus zum „Cinefonie Tag“ mit Konzerten, Lesungen und musikalisch live begleiteten Stummfilmen. FOTO: Sieben
Saarbrücken. Am 12. Oktober beginnt das elftägige Saarbrücker Festival „Colors of Pop“. Der Schwerpunkt liegt auf der saarländischen Kulturszene, es wird aber auch über den Tellerrand geschaut – zu sehen gibt es sehr viel.

„Pop“ ist ein dehnbarer Begriff. Ist das nun bloß Musik? Oder populäre Kultur allgemein, also ein nahezu unendliches Feld? Das jedenfalls ist die Perspektive des Saarbrücker Festivals „Colors of Pop“, das vom 12. bis zum 22. Oktober läuft. Vom Land mit 350 000 Euro gefördert, serviert Kurator Thilo Ziegler einen großen Kessel Buntes: Konzerte, Kino, Krimi-Dinner, Ausstellungen, Lesungen, Performances und vieles mehr. Die 150 Veranstaltungen an 25 Orten hat das Festival unter den Begriffen Poetik, Fantastik, Art, Lifestyle, Kids, History und Livescene zusammengefasst.



Ziegler, der als Veranstalter für das überregional bekannte Festival „Rocco del Schlacko“ in Püttlingen verantwortlich ist  sowie für „Electro Magnetic“ und „Urban Art! HipHop“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, hat bewusst nicht viel Überregionales eingekauft, darunter etwa das Konzert von Clueso im E-Werk zum Festivalbeginn.  „Colors of Pop“  soll vor allem eine regionale Leistungsschau in Sachen Kultur sein, eine Bestandsaufnahme der lokalen Szene – manche Veranstaltungen sind nicht neu, werden im Rahmen des Festivals aber prominenter platziert. Die Szene soll sich durch die Veranstaltung besser vernetzen, auf dass die Popkultur an der Saar besser gedeihe. Das ist auch das Ziel  des saarländischen „Poprats“, in dessen Vorstand Ziegler sitzt und der mit dem Festival personell verbunden ist – einige Künstler und Veranstalter sind auch „Popräte“.

Es werden wohl elf konzentrierte Tage, die ungemein viel bieten. Spektakulär zu werden verspricht das Projekt „Rotationen“. 2015 und 2016 hatten Künstler das Saarbrücker Schloss audiovisuell in Szene gesetzt; bei „Colors of Pop“ wird nun das Innere des Pingusson-Baus aus dem Dornröschenschlaf geweckt, in Licht-Installationen getaucht, untermalt von Musikern um Oliver Strauch (13. Oktober).

Einen Tag später lädt der Saarbrücker 35-Millimeter-Verlag, der das gleichnamige Filmmagazin herausgibt, zum 3. Cinefonietag ein, der Stummfilm-Kino mit Musik verbindet. Im Garelly-Haus stehen Bands wie Lower Synth Department, Sieben und Vortex auf der Bühne, zudem ist mit Günter A. Buchwald einer der renommiertesten Experten der Stummfilm-Untermalung dabei. Zu sehen ist unter anderem der Klassiker „Vampyr“, außerdem gibt es Lesungen und eine Filmbörse.

Filmisch wird es bei „Colors of Pop“ auch beim Sideshow Festival: An vier Abenden (16.-19. Oktober) sind zwölf Filme zu sehen, kurz und lang, an kino-unüblichen Orten: im Lokal Baker Street, im Kleinen Klub der Garage, in der Kneipe Horst! und im Saarbrücker Beerdigungsinstitut Pietät von Rüden: Dort läuft passenderweise eine Komödie über den Alltag untoter Vampire.



Mit Festivalunterstützung zieht der seit zehn Jahren in Saarbrücken laufende Stegreif-Dichterwettstreit „Poetry Slam“ in das Saarländische Staatstheater (14.10.). Außerdem gibt es Lesungen  mit Tom Finn, Carolin Römer, Christoph Marzi, Elke Schwab, Tad Williams, Marina Heib und Markus Heitz.

Die Alte Feuerwache ist Schauplatz des „Fantastic Weekend“ (13.-15.10.) für Freunde von Manga und Cosplay; zudem sollen stilecht (also verwesend) verkleidete Zombies zum St. Johanner Markt schlurfen. Weniger tot sollte die „Saarcon“ ausfallen, ein Treffen rund um Brett-, Gesellschafts- und Rollenspiele, am 21.10. in der Aula der Universität. Der Bildende Künstler OW Himmel wird während des gesamten Festivals im Historischen Museum Saar unter dem Titel „Im Plattenland“ seine Kunst zum Thema Vinylkultur zeigen, verbunden mit einer Performance (und organisatorisch unterstützt vom Poprat). Passend dazu zeigen Studierende der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) die Ausstellung „Gig Poster“ in der Galerie Neuheisel: selbst entworfene Konzertplakate als Druckgrafiken. Die Hochschule für Musik Saar (HfM) stellt mit „Hybrid Sound Fields“ ein Konzertprogramm ihres Elektronischen Studios vor (13./14.10.), während der Verein Augenblick, der sich visueller Bildung widmet, im Garelly-Haus eine Foto-Ausstellung zum Motto „Colors of Pop“ zeigt. Unter dem Mantel des Festivals finden diesmal „Die saarländischen Fototage“ statt (21./22.10., Congresshalle), dort gastiert am 22, auch das „BANFF Mountain Film Festival“ mit acht aktuellen  Bergfilm-Dokumentationen.

Geredet wird auch: Eine Diskussion bei der Architektenkammer des Saarlandes beschäftigt sich mit dem Thema Stadtentwicklung und auch der Frage, ob Saarbrücken eine Pop-Eventhalle braucht oder nicht (17.10.). Diskutiert wird zwei Tage später auch in der Arbeitskammer, über das stets wichtige Thema „Kultur und Kulturpolitik im Saarland“.Wer so viel Kultur nur mit Alkohol durchhält, kann sich in der Congresshalle an das „1. Saar-Gin-Festival“ halten (14.10.). Ob das etwas mit Pop zu tun hat? Der Begriff ist eben, wie gesagt, dehnbar.

Das gesamte Programm mit allen Terminen unter www. cop2017.de

Cluesos Auftritt am 12. Oktober im Saarbrücker E-Werk läutet das Festival ein.
Cluesos Auftritt am 12. Oktober im Saarbrücker E-Werk läutet das Festival ein. FOTO: Christoph Köstlin / Christoph Köstlin / Universal
Der australische Street-Art Künstler Fintan Magee malt am 25.04.2017 ein Kunstwerk auf eine Hauswand in Saarbrücken. Es ist eins von 12 Kunstwerken, die im Rahmen des "Artwalks" entstanden sind.
Foto: Oliver Dietze
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Veroeffentlichung nur nach vorheriger Honorar-Vereinbarung und mit Namensnennung.

Oliver Dietze // +49-(0)177-9761996 // post@oliverdietze.de // USt-ID DE262797891
Der australische Street-Art Künstler Fintan Magee malt am 25.04.2017 ein Kunstwerk auf eine Hauswand in Saarbrücken. Es ist eins von 12 Kunstwerken, die im Rahmen des "Artwalks" entstanden sind. Foto: Oliver Dietze -- Veroeffentlichung nur nach vorheriger Honorar-Vereinbarung und mit Namensnennung. Oliver Dietze // +49-(0)177-9761996 // post@oliverdietze.de // USt-ID DE262797891 FOTO: Oliver Dietze
Annika Jonsson kommt mit der Jazzband Trallskogen am 12. Oktober in die Alte  Feuerwache
Annika Jonsson kommt mit der Jazzband Trallskogen am 12. Oktober in die Alte Feuerwache FOTO: Zippo Zimmermann