| 20:43 Uhr

Kabarett
Joints rauchen, „um klarzukommen“

Saarbrücken. Ein benebelter Abend mit Kabarettist Vincent Pfäfflin in der Saarbrücker Garage. Von Sebastian Dingler

Wer schon mal mit Cannabis-Konsumenten zu tun hatte, dürfte festgestellt haben, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt des Rausches deren Sprache verlangsamt wird und banale Dinge plötzlich tiefschürfend und aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet werden. Gleichzeitig neigen Haschischraucher auch dazu, sich eben über diese Gespräche halb tot zu lachen. Da steckt also ein humoristisches Potenzial drin, und eben dieses macht sich der Comedian Vincent Pfäfflin zu nutze.


In der Saarbrücker Garage lauschen am Donnerstag etwa 200 Zuschauer den benebelten Ausführungen des 37-jährigen Berliners. Auf die Bühne kommt er mit Schlabberpullover, Jeans, Turnschuhen und Baseballmütze; die halblangen Haare und der Schnurrbart passen auch ins Klischee des völlig verpeilten Kiffers. Ein lang gezogenes Yeah und „es geht einfach los – nicht mal Musik oder so“, so beginnt Pfäfflin sein Programm, das vom Duktus her auch auf eine Meditations-CD gepasst hätte. Doch statt „Jetzt schließen Sie die Augen und stellen sich einen Blumenwiese vor“ kommen bei dem Comedian Sätze vor wie „Ich bin auf leicht perligen Sprudel umgestiegen, da sind die Sprudelblasen nicht mehr so aggro“. Pfandchips bei der Getränkeausgabe empfindet Pfäfflin als stressig (eines seiner Lieblingswörter), weil er sich dann während eines Konzerts die ganze Zeit darum sorgen muss, ob der Chip noch da ist. Sind es im ersten Teil der Show noch ganz normale Alltagsdinge, kommt Pfäfflin im zweiten Abschnitt zunächst auf die Probleme des Haschischkonsums zu sprechen: Dreimal wiederholt er das Mantra „Erstmal einen rauchen um klarzukommen“. Doch auch der Joint hilft ihm nicht weiter: „Dann raucht man einen und kommt noch weniger klar!“.

Das Publikum kichert, wahrscheinlich auch deswegen, weil viele diese Erfahrungen nachvollziehen können. Überraschend geht es dann im Programm unter der Gürtellinie weiter, mit der Schilderung eigenartiger Sex-Dialoge mit seiner Freundin bis hin zum Geständnis „Spaß – ich hab’ gar keine Freundin.“ Wäre auch schwer vorstellbar, wenn Pfäfflin in echt so wäre wie seine Figur. Den völlig verstrahlten Kiffer spielt er bis zum Schluss durch: Bisweilen ist das etwas anstrengend, denn rasante Wendungen und spritziger Witz würden nur schlecht in diesen Kontext passen. Trotzdem kommt der Auftritt sehr gut an – und ist vor allem mal etwas völlig Anderes in der Comedy-Landschaft.