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Die „Stimme der Karibik“ ist für immer verstummt

Schriftsteller Derek Walcott. Foto: J. Arguedas/dpa
Schriftsteller Derek Walcott. Foto: J. Arguedas/dpa FOTO: J. Arguedas/dpa
Castries. (dpa) Die Karibik hat einen ihrer sprachgewaltigsten Poeten verloren: Literaturnobelpreisträger Derek Walcott starb am Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Cap Estate auf der Karibikinsel St. Lucia. Walcott galt als Mittler zwischen karibischem Lebensgefühl und westlicher Kulturtradition. 1992 war er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. Er werde "für ein poetisches Werk großer Leuchtkraft" ausgezeichnet, das von der historischen Vision eines multikulturellen Engagements getragen werde, begründete das Nobel-Komitee damals seine Entscheidung.

Walcott veröffentlichte mehr als 20 Gedichtbände und über 30 Theaterstücke. Als sein wichtigstes Werk gilt das 1990 publizierte Versepos "Omeros", eine Adaptation des Trojanischen Kriegs als sozialer Konflikt zwischen Fischern in der Karibik. Bei Kritikern galt er als "zeitgenössischer Homer". Nach Jahren in Boston lehrte er von 2010 bis 2013 Poesie an der Universität von Essex in Großbritannien.