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Erinnerung an Monserrat Caballé
Die Saarbrücker Tränen der Caballé

Montserrat Caballé 1997 in der Saarlandhalle: Der Liederabend brachte auch ein unerwartetes Wiedersehen mit ihrem frühen Förderer Hermann Wedenkind, dem einstigen Saarbrücker Intendanten.
Montserrat Caballé 1997 in der Saarlandhalle: Der Liederabend brachte auch ein unerwartetes Wiedersehen mit ihrem frühen Förderer Hermann Wedenkind, dem einstigen Saarbrücker Intendanten. FOTO: fine art
Saarbrücken. Was ein Konzert der kürzlich verstorbenen Diva im Saarland unvergesslich machte. Von Oliver Schwambach
Oliver Schwambach

Sie war vielleicht die letzte große Opern-Diva, auch wenn Monserrat Caballé eben das nicht war – divenhaft. Ihr Humor, ihr Lachen, ihr großes Herz schätzen die Fans kaum weniger als ihre, trotz gewichtigen Leibes, stets elegant-schlanke Stimme. Vor einer Woche ist die Ausnahme-Sopranistin in ihrer Geburtsstadt Barcelona mit 85 Jahren gestorben. Das ließ auch hier im Saarland viele an sie und ihre Auftritte hier denken.


Der Saarbrückerin Inge Schabbert ging es so. Sie sei Theatergängerin aus Leidenschaft, stellt sie sich gleich resolut am Telefon vor. Und vor allem ein Konzert mit der katalanischen Opern-Ikone blieb ihr im Gedächtnis: am 11 November 1997 in der Saarlandhalle. Es war ein Liederabend, mit viel spanischem Kolorit, Zarzuelas. Ausnahmsweise war es aber mal nicht der Gesang, Caballés göttliches Pianissimo, was so unvergesslich blieb, sondern der Moment, als ein älterer Herr sich langsam der Bühne näherte. Erst unbemerkt, auch von der großen Sängerin. Dann aber, erinnert sich Schabbert: „ein Schrei“. Die Diva ging in die Knie, Tränen flossen. Monserrat Caballé drückte den Mann ans Herz. Ein Augenblick innigsten Wiedersehensglücks.

Und die Sopranistin ließ dann auch ihr Publikum daran teilhaben, erzählte aus ihren jungen Jahren. Der Herr, damals bereits stolze 86, war Hermann Wedekind, lange Intendant des Saarbrücker Theaters und prägender Bühnenmann des Landes. In den 50ern war Herrmann Wedekind noch Theaterchef in Basel. In der Schweiz war damals auch die Familie der Caballé gelandet – als Gastarbeiter. Wedekind erkannte das Talent der jungen Frau, die zwar kein Geld, aber den unbändigen Willen hatte, Sängerin zu werden. Er förderte sie, unterstützte sie. Der Auftakt einer Weltkarriere. Zu Saarbrücken hatte die Caballé nicht allein deshalb eine enge Bindung. Nach ihrem Debüt 1956 in Basel sang sie auch hier als junge Sopranistin am Theater, wo Wedekind 1960 Intendant wurde. Doch so anrührend wie ihr Konzert vor über 20 Jahren, war keiner dieser Auftritte.