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Ausstellungen
Sehenswerte Landschaften in expressivem Farbrausch

Armin Rohrs in diesem Jahr entstandenes Gemälde ohne Titel (dafür mit dem Untertitel „Blaue Stunde“).
Armin Rohrs in diesem Jahr entstandenes Gemälde ohne Titel (dafür mit dem Untertitel „Blaue Stunde“). FOTO: Armin Rohr/Galerie Neuheisel / Galerie Neuheisel
Saarbrücken. Die Saarbrücker Galerie Neuheisel zeigt aktuelle Arbeiten des Malers Armin Rohr. Von Bülent Gündüz

Grimmig und selbstsicher schaut der Maler in Giftgrün drein. „Letzte Selbstvergewisserung“ hat Armin Rohr das Selbstporträt genannt, doch der Mann auf dem Bild scheint sich seiner Sache recht sicher zu sein. Leger sitzt er mit verschränkten Händen im Pyjama da und scheint sich selbst im Spiegel zu betrachten. Rohr hat es in einen barocken Rahmen gespannt.


Die sehenswerte Ausstellung in der Saarbrücker Galerie Neuheisel versammelt 31 Arbeiten Rohrs aus den Jahren 2017 und 2018. Darunter sind Gemälde auf Leinwand und Papier, aber auch Aquarelle und Zeichnungen. Rohrs letzte Einzelausstellung in Saarbrücken ist bereits sechs Jahre her. Man könnte meinen, es habe sich nicht viel verändert, denn die aktuellen Arbeiten sind denen von 2012 durchaus ähnlich. Allerdings hatte sich der Künstler in den letzten Jahren von seinen figurativen Werken abgewandt und vor allem mit gestischen Abstraktionen gearbeitet. Relikt dieser Jahre ist die aktuelle Installation im diesjährigen Herbstsalon des KuBa am Eurobahnhof, bei der Rohr Überbleibsel seiner Arbeit versammelt hat und ein Lebewohl hinterherzurufen scheint. Dabei hatte der Künstler nie ganz aufgehört, figurativ zu arbeiten, doch gezeigt hat er bei Ausstellungen vor allem gestisch abstrahierte Farbwelten. 2017 fand er zu dem alten Stil zurück und entwickelte diesen sanft weiter. Nun sind die Landschaftsbilder wieder da, in denen Personen allerlei Skurriles aber auch Alltägliches treiben.

Noch stärker scheint die expressive Farbgebung in den Mittelpunkt gerückt zu sein und zum narrativen Element zu werden. Was die Bilder erzählen, lässt sich allerdings kaum erraten. Auch die Bildtitel werfen mehr Fragen auf als sie beantworten. In „Auszug“ laufen drei Menschen einen Hang hinab in eine traumhafte Mittelgebirgslandschaft. In „Überstürzter Aufbruch“ bewegen sich drei Personen von einer idyllisch gelegenen Berghütte den Hang hinauf auf den Betrachter zu. Man erahnt die Nacht, doch warum brechen sie so überstürzt auf? Was ist geschehen? Die Hütte scheint im Dunkel der Bergwelt in Farben zu glühen. Und in „Blaue Stunde“ gräbt ein Mann mit einer Schaufel im Wald, ein anderer steht weiter hinten an einer Lichtung.



„Mir ist so komisch zumute, ich ahne und vermute . . . “ ist als Ausstellungstitel perfekt gewählt. Bei nahezu jedem Bild bleibt beim Betrachter ein ungutes Gefühl zurück, auch weil die Personen wie aus Farbnebeln zu bestehen scheinen und so undeutlich sind, dass man ihre Gesichtszüge nicht lesen kann. Man kann aber erahnen, dass diese Werke keine Abbildung der Realität sind, sondern Bruchstücke und Fragmente aus dem Denken und Erinnern des Malers, der uns ein Stück mitnimmt in seine Gedankenwelt.

Bis 3. November; Di: 10-16 Uhr; Do: 13-19 Uhr; Sa: 11-13 Uhr.