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Am 13. April Konzert in Kaiserslautern
Poppiges Perlen, Flirren und Donnern

Kinga Glyk und eine ihrer Bassgitarren.
Kinga Glyk und eine ihrer Bassgitarren. FOTO: Peter Hönnemann / Peter Hönnemann / Warner
Saarbrücken. Die polnische Jazz-Bassistin Kinga Glyk stellt ihr neues Album „Dream“ im April im Kammgarn in Kaiserslautern vor. Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Ein Youtube-Video kennt man sonst eher als Katalysator einer Pop-Karriere. Aber Jazz? Dessen Hörer, so vermutet man (vielleicht klischeehaft), sind wohl nicht die aktivsten Internet-Hörer/Seher, was Musik angeht. Und doch hat ein Clip nun eine Jazzkarriere kräftig angeschubst:  Eine instrumentale Coverversion von Eric Claptons „Tears in Heaven“, im Juni 2016 veröffentlicht, wurde Hunderttausende Male angeklickt (aktueller Stand: 942 000) und weckte auch mediales Interesse an der Künstlerin – Kinga Glyk heißt die Bassistin, ist  21 Jahre alt und in ihrer polnischen Heimat seit längerer Zeit bekannt: Schon mit 12 trat sie mit ihrem Vater, dem in Polen populären Vibraphonisten Irek Glyk und ihrem Bruder am Schlagzeug auf. Mit 18 legte sie in Polen das erste Album „Registration“ vor, 2016 folgte die Live-CD „Happy Birthday“ – und jetzt wird Kinga Glyk international. Denn der Branchenriese Warner hat das dritte Album „Dream“ herausgebracht, das die 21-Jährige im April in Kaiserlautern vorstellt.


„Tears in Heaven“ ist mit dabei, nichts für bedenkentragende Jazz-Puristen, aber eine gegenüber dem Original flotte Nummer mit Glyks poppig perlendem Bass-Spiel und auch einer vertrackten, feinnervigen Schlagzeugarbeit von Gregory Hutchinson. Der Amerikaner ist einer von drei renommierten Begleitmusikern auf dem Album, das das Quartett in einem abgelegenen polnischen Studio eingespielt hat. Mit dabei sind auch der israelische Pianist Nitai Hershkovits und der Brite Tim Garland an Saxophon und Klarinette. Viel Dynamik erspielen sich die Vier, da gibt es viele Tempovariationen, Klänge steigern sich, Melodien schrauben sich hoch, um wieder gedrosselt zu werden – und auch wenn Glyk der nominelle Star des Albums ist, wird hier gleichberechtigt musiziert; flirrende Klavierläufe dominieren etwa den Auftakt „Freedom“, bei dem Glyk sich zurückhält.

Der reinen Lehre des Jazz wird hier nicht gehuldigt, die Band bewegt sich auch in Richtung Funk wie im Stück „Difficult Choices“ mit einigen schönen flirrenden Bläsermotiven. Glyks Instrument fließt geradezu durch den spannungsreichen „Song for Dad“, in dem mehrere Bassläufe übereinander gelegt werden – ein Höhepunkt auf dem Album, das danach kurz durchhängt: Die Nummern „Circle“ und „Walking Baby“ bieten nicht mehr als kompetent gespielten, aber schon zu oft gehörten Jazzfunk. Aber Glyk läuft in „Teen Town“, geschrieben vom einflussreichen Bassisten Jaco Pastorius (1951-1987), nochmal zur großen Form auf: Da duelliert sich ihr satter, manchmal donnernder Bass mit Garlands Saxophon, während auch die Keyboards und das Schlagzeug viel Raum bekommen. Im Kontrast dazu beschließt das sachte hingetupfte „Silence“ das Album, knapp zwei Minuten lang, zart und melodisch nah am Blues – ein schöner intimer Ausklang.

Kinga Glyk: Dream (Warner Music). Konzert: 13. April, 20 Uhr, im Rahmen des Kammgarn International Jazzfestivals in Kaiserslautern, zusammen mit Jasmin
Tabatabai & David Klein Quartett.
Karten und Info: www.kammgarn.de