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Umwälzung der Arbeitswelt durch intelligente Maschinen
Die Mittelschicht als Automatisierungsverlierer?

Roboter Josie Pepper am Münchner Terminal: Er soll künftig Fluggästen zu ihrem Flug führen.
Roboter Josie Pepper am Münchner Terminal: Er soll künftig Fluggästen zu ihrem Flug führen. FOTO: dpa / Lino Mirgeler
Saarbrücken. Millionen Arbeitsplätze dürften in den nächsten 20 Jahren an Maschinen und Roboter verloren gehen – aber auch neue Jobs entstehen. Von Christoph Schreiner
Christoph Schreiner

Die Frage, wer sich künftig infolge der rasanten Entwicklung der modernen Technik Angst um seinen Arbeitsplatz machen muss, wird von der Forschung uneinheitlich beantwortet. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rechnete vor zwei Jahren vor, dass prinzipiell rund ein Viertel der bezahlten menschlichen Tätigkeiten von Maschinen erledigt werden könnten. 42 Prozent aller Beschäftigten arbeiteten „in Bereichen mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit“. Zu den meist gefährdeten Berufsgruppen zählen demnach sogenannte Routinejobs im Büro- und Sekretariatsbereich, in der Logistik sowie im Transportgewerbe.


Denkbar ist, dass bereits in absehbarer Zeit Drohnen Post zustellen oder Äcker überprüfen und Roboter etwa als Verkäufer, Museumsaufsicht, Minenentschärfer, Lagerarbeiter, Köche, Lernassistenten oder selbst als Maurer tätig sind. Wie der Wissenschaftsjournalist Ulrich Eberl in seinem Buch „Smarte Maschinen“ ausführt, hat die australische Firma Fastbrick Robotics etwa ihren Bauroboter Hadrian („mit einer Präzision von 0,5 Millimeter“) binnen zwei Tagen ein Haus errichten lassen.

Derzeit sind weltweit bereits 2,3 Millionen Industrieroboter und rund 50 Millionen Serviceroboter (davon ein Zehntel für den Hausgebrauch) im Einsatz. Da die Rechenleistung, Speicher- und Kommunikationsfähigkeit in der Mikrochip-Industrie sich Prognosen zufolge in den kommenden 25 Jahren vertausendfachen (!) wird, ist klar, dass immer mehr Arbeitsbereiche künftig softwaregetrieben sein dürften. So wie Anwaltsgehilfen, Laboranten und Steuerberater bereits heute alt aussehen gegenüber der Zielsicherheit vorhandener Assistenzsysteme, drohen auch in anderen Arbeitssektoren mittelfristig einschneidende Umbrüche. Insbesondere der Mittelstand könnte von der digitalen Revolution erfasst werden: Jobs Hochqualifizierter gelten genauso wenig als gefährdet wie solche von Geringverdienern, sofern deren Arbeitskosten niedriger sind als die Anschaffungs- und Betriebskosten von Robotern.



Nicht von ungefähr fordern Fachleute bereits eine „Algorithmussteuer“, die Unternehmen für wegrationalisierte Arbeitsplätze entrichten sollen. Auch die derzeit an Fahrt gewinnende Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen ist vor demselben Hintergrund zu sehen. Auf der anderen Seiten mahnen besonnene Stimmen, dass – wie noch bei jeder technischen Revolution – der Wegfall von Arbeitsplätzen am Ende kompensiert werde durch neu entstehende Jobs. Sie verweisen auf die bestehende niedrige Arbeitslosigkeit in den Ländern mit der höchsten Roboterdichte (Südkorea, Japan, Deutschland). Eine ganz andere Frage wird sein, inwieweit durch die Digitalisierung der Arbeitswelt mehr Leistungsdruck, ein digitales Prekariat und eine forcierte Überwachung von Arbeitnehmern entstehen wird.