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„Amadeus“, Kuckucksnest“ und mehr
Der große Tscheche: Zum Tod von Milos Forman


Regisseur Milos Forman 2006 bei der Premiere seines Films „Goyas Geister“.
Regisseur Milos Forman 2006 bei der Premiere seines Films „Goyas Geister“. FOTO: dpa / epa Franck Robichon
Los Angeles. Ob „Einer flog über das Kuckucksnest“, „Amadeus“ oder „Hair“ – Milos Forman war ein Ausnahmeregisseur. Am Freitag ist Forman im Alter von 86 Jahren gestorben, nach kurzer Krankheit

Ob „Einer flog über das Kuckucksnest“, „Amadeus“ oder „Hair“ – Milos Forman war ein Ausnahmeregisseur. Am Freitag ist Forman im Alter von 86 Jahren gestorben, nach kurzer Krankheit


Forman, 1932 in Mittelböhmen geboren, war acht Jahre alt, als seine Eltern von der Gestapo verhaftet wurden – beide starben in Konzentrationslagern. An der Prager Filmakademie lernte Forman sein Handwerk, mit Satiren wie „Die Liebe einer Blondine“ (1965) und „Der Feuerwehrball“ (1967) zählte er zu den Vorreitern der experimentierfreudigen Neuen Welle des tschechoslowakischen Films.

1968 emigrierte er in die USA, nachdem sowjetische Panzer den Prager Frühling niedergewalzt hatten. Sein erstes Hollywood-Projekt, die Generationen-Satire „Taking Off“ (1971), floppte an den US-Kinokassen. Für Forman begann eine Durststrecke, in der er seinen Arbeitsvertrag verlor und um die Aufenthaltserlaubnis bangte. „Ich wartete auf das Angebot, das mein Leben ändern sollte, und in der Zwischenzeit akzeptierte ich alles, was ich kriegen konnte, bis hin zum Gratis-Mittagessen“, sagte er.

Mit „Einer flog über das Kuckucksnest“, ausgezeichnet mit fünf Oscars, wendete sich 1975 das Blatt. Seine Mozart-Biografie „Amadeus“ (1984) gewann acht Oscars. Forman führte auch in Filmen wie „Valmont“ und „Ragtime“ die Kehrseiten seiner Figuren vor. Reine Filmbiografien seien „ziemlich langweilig“, sagte er, „da muss immer noch etwas anderes in der Geschichte stecken.“ Bei „Amadeus“ war das der Konflikt zwischen den Rivalen Salieri und Mozart. Mit „Kuckucksnest“ entfachte er eine Debatte über den Umgang mit psychisch Kranken. „Larry Flynt – Die nackte Wahrheit“, die Geschichte des Verlegers des Pornoblattes „Hustler“, löste eine Diskussion um dessen Rolle als Vorkämpfer der Meinungsfreiheit aus. 2009, mit fast 80 Jahren, beendete Forman seine Regie-Karriere: „Keine Filme mehr, ich habe Urlaub.“