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Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Der Blick zurück für die Sicht nach vorne

Frankfurt. Die Ägyptologen Aleida und Jan Assmann werden mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Die Ägyptologie wird gerne als „Orchideenfach“ belächelt. Doch Aleida und Jan Assmann haben Leben und Totenkult der alten Ägypter studiert – und für die heutige Welt fruchtbar gemacht. Die Hochkultur am Nil schuf einst Denkmäler gegen das Vergessenwerden. Das 71 und 79 Jahre alte Ehepaar Assmann hat das Thema Erinnerung ebenfalls zur Grundlage seiner Forschungen gemacht. International gehören die beiden Gelehrten, die in Konstanz wohnen, zu den bekanntesten deutschen Geisteswissenschaftlern. Jetzt erhalten sie zusammen den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.


Nach Ansicht des Stiftungsrats hat das Paar ein zweistimmiges Werk geschaffen, „das für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist“. Aleida Assmanns Arbeiten zum kulturellen Gedächtnis ist es mitzuverdanken, dass Deutschland heute eine Erinnerungskultur hat, die weltweit als beispielhaft gilt. Dies versteht die Literaturwissenschaftlerin auch als Antwort auf den Holocaust. Nach dem „Historikerstreit“ von 1986, bei dem es um die Frage der Einzigartigkeit des Genozids an den Juden ging, hat sich das Ehepaar maßgeblich für den Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin eingesetzt.

Angesichts der Flüchtlingsdebatte plädiert Aleida Assmann in ihrem Buch „Menschenrechte und Menschenpflichten“ (2017) für einen neuen Gesellschaftsvertrag. Darin müssten die Menschenrechte, Werte wie Empathie und Solidarität sowie ein Kanon von Regeln für ein faires und respektvolles Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten maßgeblich sein.



Jan Assmann, bis zur Emeritierung 2003 Professor für Ägyptologie an der Universität Heidelberg, hat mit seinen religionswissenschaftlichen Arbeiten, etwa zum Monotheismus, für Furore gesorgt. Dessen Anfänge sieht er im Auszug der Israeliten unter Moses aus Ägypten. Damit sei in der Religion die Unterscheidung von „wahr“ und „falsch“ in die Welt gekommen: mit fatalen Folgen später im Christentum und im Islam.

Mit den Assmanns, die zusammen fünf Kinder haben, wird zum zweiten Mal seit 1950 ein Ehepaar mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. 1970 hatten die beiden schwedischen Friedensforscher Alva und Gunnar Myrdal die Auszeichnung erhalten.