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Saarbrücker KuBa
Von Gletschern und Seelenlandschaften

Ein Blick in den Herbstsalon – hier zu sehen sind Arbeiten von Juliana Hümpfner, Leslie Huppert und Armin Rohr (v.l.).
Ein Blick in den Herbstsalon – hier zu sehen sind Arbeiten von Juliana Hümpfner, Leslie Huppert und Armin Rohr (v.l.). FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. In seinem Herbstsalon zeigt das Saarbrücker Kulturzentrum KuBa Werke, die in den vergangenen Monaten in seinen Ateliers entstanden sind. Diesmal gibt es Bekanntes, aber auch Überraschungen. Von Bülent Gündüz

Am Freitagabend wurde er eröffnet, der 11. Herbstsalon des Kulturzentrums am Eurobahnhof. Mit dem Salon präsentieren die Künstler aus den Ateliers des KuBa aktuelle Arbeiten aus den vergangenen Monaten. In diesem Jahr ist die Präsentation nicht ganz so stark wie in den vergangenen Jahren. Das mag daran liegen, dass zumindest gefühlt weniger gezeigt wird, aber auch vieles zu sehen ist, was schon älter ist oder wenig Fortschritt erkennen lässt. Aber es gibt auch ein paar Überraschungen.


Armin Rohr hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder außergewöhnliche Arbeiten gezeigt,  etwa eine Wandmalerei. Diesmal scheinen alle neuen Arbeiten in der gerade angelaufenen Ausstellung in der Galerie Neuheisel zu hängen, und der Künstler scheint erschöpft. Um zu zeigen, dass er trotzdem fleißig war, hat er aus den Spuren seiner Arbeit die Installation „Relikte der Malerei“ gehängt. Die klassische Palette scheint aus der Mode gekommen, und so mischt Rohr seine Farben auf allem, was ihm in die Hände fällt: Farbeimerdeckel, Pappteller, Schneidbretter. Die Farben probiert er auf ausrangierten Zeichnungen, Kartons und Papier. Spannend ist, dass viele der Mischflächen wie abstrakte Arbeiten aussehen. Eine lustige Idee, wenn auch keine, die den Betrachter vom sprichwörtlichen Hocker haut.

Spannend sind die Arbeiten von Vera Kattler, die in „Versuchsanordnung“ acht Tuschezeichnungen auf Papier zeigt und damit neue Wege geht. Man erkennt organische Formen, die mal an Meeresbewohner, dann eher an Vegetabiles erinnern. Aus kurzen Strichen, die sich an einem Endpunkt verdicken, entsteht ein Rhythmus, der über die Form zu wogen scheint und ihr gleichzeitig ein plastisches Äußeres verleiht.



Werner Controffer ist als „Nachbar“ zu Gast im KuBa. Er zeigt aktuelle Arbeiten, in denen er rechteckige Farbflächen übereinander schiebt und die Wirkung der Farbe untersucht. Das ist zwar nicht neu, bei ihm aber immer wieder ein Augenschmaus. Ähnliches macht auch Dirk Rausch in seinen wunderbar zarten Arbeiten, in denen er derzeit vor allem mit Aquarellfarben arbeitet, aber diese auch mit Siebdruck und Acryl kombiniert.

Petra Jung nimmt mit „Kokon“ eine in den Jahren 2008 bis 2012 begonnene Reihe wieder auf. Sie fertigt Objekte aus Seidenpapier, die an geöffnete Kokons von Insekten erinnern. Mit Haaren, Federn und organisch anmutendem Teebeutelpapier wirken die riesigen Objekte beängstigend „echt“. Dietmar Binger, ebenfalls Gast im KuBa, arbeitet in dem ihm eigenen Stil konsequent weiter. Seine sehr persönlichen Werke arbeiten sich an Erinnerung, Katalogisierung und Ordnung ab und verschränken Arbeit und Leben. Derzeit zerschneidet er Fotos und kratzt und schleift die Pigmenttintendrucke, sodass kaum mehr erkennbar bleibt als Farbschlieren. Nur der Titel des Werkes lässt auf das Abgebildete schließen. Die zerschnittenen Fotos ordnet er in Quadrate.

Mane Hellenthal greift eine ältere Arbeit auf und interpretiert diese neu. „Aletschgletscher“ entstand 2016 als Abbild des Schweizers Gletschers aus verschwommenen Farbflächen in Grautönen. Daneben hängt eine aktuelle Collage in der sich das Foto eines Berggipfels in grauen Farbschlieren aus Ölfarben versteckt. Andrea Neumann zeigt eine ältere Arbeit aus dem Jahr 2016, die die Klasse der Künstlerin beweist. Was bei näherem Hinsehen als ineinander verschwimmende Farbnebel daherkommt, entpuppt sich von Weitem als Aufeinandertreffen von gewaltbereiten Demonstranten auf die Polizei.

Malerin Juliana Hümpfner legte die Seele der Porträtierten auf die Haut und kehrte das Innere nach außen. Ihre Bilder sind subtiler geworden, der Seelenzustand der Menschen aber bleibt unmittelbar erlebbar: einsam, verletzt und gebrochen. Mit dabei sind außerdem Sabine Späder, Leslie Huppert, Julia Aaatz, Arne Menzel, Claudia Vogel, Julia Baur, Michael Koob, Stefan Ochs, Sandra Brabenetz, Annegret Leiner, Sigrun Ólafsdóttir, Martin Steinert und Frauke Eckhardt.

Der Herbstsalon läuft bis 14. Oktober. Öffnungszeiten: Dienstags bis Sonntag sowie am 3. Oktober (Feiertag) von 15 bis 18 Uhr. Montags geschlossen.
Informationen: www.kuba-sb.de

Arbeiten von Werner Constroffer im KuBa.
Arbeiten von Werner Constroffer im KuBa. FOTO: Oliver Dietze