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Neues Nationalstaatsgesetz Israels
David Grossmans heftige Israelkritik

Hamburg/Tel Aviv. (SZ) In einem in der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ erschienenen Text übt der israelische Schriftsteller David Grossman („Wohin Du mich führst“, „Kommt ein Pferd in die Bar“) scharfe Kritik an dem von Israels Regierung jüngst verabschiedeten Nationalstaatsgesetz.

Es hatte Israel als „Nationalstaat des jüdischen Volkes“ definiert, in dem das Selbstbestimmungsrecht allein für das jüdische Volk gelten soll, obwohl auch 20 Prozent seiner Einwohner Araber sind. Grossman (64) kritisiert in seinem Beitrag, dass das Gesetz „einem Fünftel der israelischen Bevölkerung auf einen Schlag den Boden unter den Füßen weggezogen“ habe. Und folgert, das Gesetz offenbare, dass die israelische Regierung, „ein für alle Mal darauf verzichtet, den Konflikt mit den Palästinensern jemals beizulegen“. Die Kritik Grossmans, der neben Amos Oz bekannteste heutige Schriftsteller des Landes, gipfelt in dem Satz, dass das Nationalstaatsgesetz „unmissverständlich klarmacht, wie weit es mit uns gekommen ist, wie tief Israel gesunken ist“.


Vor Grossman hatte bereits der israelische Dirigent Daniel Barenboim (76), Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, scharfe Kritik an dem im Juli von der Knesset verabschiedeten Gesetz geübt und erklärt, dass dieses „eindeutig eine Form von Apartheid darstellt“.