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Artwalk in Saarbrücken
„Dass man mal abschalten kann“

MadC gestern vor der Fassade in der Spichererbergstraße, die die Künstlerin zurzeit gestaltet. Am Wochenende soll alles fertig sein – wenn das Wetter mitspielt.
MadC gestern vor der Fassade in der Spichererbergstraße, die die Künstlerin zurzeit gestaltet. Am Wochenende soll alles fertig sein – wenn das Wetter mitspielt. FOTO: Silvia Buss
Saarbrücken. In Saarbrücken arbeitet die Künstlerin MadC an einem Artwalk-Werk im Schatten des Landtags. Von Silvia Buss

An der Bahnstrecke von Berlin nach Halle hat MadC alias Claudia Walde vor Jahren die längste Wand gestaltet, die je von einer Frau besprüht wurde. Auf dem hundert Meter langen Getreidespeicher tummeln sich in düsteren Industrielandschaften Frankenstein-Monster, wilde Styles, Kraken und lustige Mäuse. Was hätte das für Diskussionen ausgelöst, wenn sie solche Gestalten auf die Hauswand neben dem Saarbrücker Landtag gesprüht hätte!


Doch keine Angst: MadC, die dem Namen zum Trotz kein bisschen verrückt ist und eine der international gefragtesten Graffiti-Künstlerinnen, hat ihren Stil längst geändert. Die 37-jährige Hallenserin, die in den vergangenen zehn Jahren Wände von New York bis La Paz und Libanon gestaltete, weilt seit Wochenanfang in Saarbrücken, um der Serie der Artwalk-Kunstwerke an Saarbrücker Hauswänden im Auftrag des Kultusministeriums ein weiteres hinzuzufügen. Mit der Brandmauer eines Hauses in der Spichererbergstraße, welche den Hintergrund für den Landtagsgarten abgibt, haben die Kuratoren Benjamin Knur und „Reso“ Jungfleisch dafür einen prominenten, symbolträchtigen Ort ausgewählt.

Dass der jetzt verschönert wird, das macht auch den Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD) froh. „Die Wand hat mich gestört, seit ich 1999 in den Landtag gekommen bin“, erzählte er gestern beim Ortstermin. Vorgaben habe man ihre keine gemacht, sagte wiederum die Graffiti-Künstlerin, die ursprünglich Grafik-Design und Animation studierte. Doch sie habe sich seit Jahren auf die Abstraktion verlegt. „Da wird es bei mir ziemlich schwierig, etwas hineinzuinterpretieren, was irgendwie in Bezug zum Landtag steht.“ Ihr sei es wichtig, unpolitisch zu sein. „Wir haben genug Politik überall, genug Probleme in der Welt und Sorgen.“ Mit ihren gesprühten Bildern will sie genau das Gegenteil erreichen: „Dass man mal abschalten kann, in der Kunst wieder positive Energie findet, um den Alltag zu bestreiten“, betont MadC.

Berühmt ist sie für leuchtend bunte Farb-Kompositionen, die fast wirken, wie mit dem Aquarellpinsel aufgetragen. Entstanden ist dieser Stil, als MadC anfing, auf Leinwand zu arbeiten. Graffiti funktioniere da nicht, man müsse es weiterentwickeln, fand sie damals und tauschte die Sprühdose gegen den Pinsel und den Sprühlack gegen Acryl- und Aquarellfarben ein. Irgendwann aber zog es MadC wieder an die Wand, wo sie versuchte, die Art, wie sie auf Leinwände malte, nun auf großen Flächen mit der Sprühdose umzusetzen: und so „Transparenz und Wasserfarben-Effekte“ zu erreichen. Das Entscheidende bei Graffiti ist für die Künstlerin „die Energie, die man dafür braucht, die Leidenschaft, die Emotionen, die dahinterstecken“. Diese Energie, diese Dynamik, die in den klassischen Graffiti-Schriften („styles“) stecke, die soll man auch in ihren nun abstrakten Bildern spüren können. 50 verschiedende Farben wird sie in ihrem Saarbrücker Werk einsetzen, am Wochenende soll es, so das Wetter mitspielt, vollendet sein.

Auch dass mit MadC nach 15 männlichen Künstlern endlich eine Frau am Artwalk beteiligt ist, freut den Kultusminister. Am liebsten wäre ihm, dass weitere Künstlerinnen folgen, bis eine Parität erreicht ist. Zwei bis drei weitere Artwalk-Werke sollen laut Kurator „Reso“ Jungfleisch auf jeden Fall noch folgen.



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