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Die Oscars
Der Oscar meint es gut mit deutscher Geschichte

Florian Henckel von Donnersmarck: 1999 lief sein Kurzfilm „Dobermann“ beim Saarbrücker Ophüls-Festival.
Florian Henckel von Donnersmarck: 1999 lief sein Kurzfilm „Dobermann“ beim Saarbrücker Ophüls-Festival. FOTO: dpa / Ole Spata
München. Der Film „Werk ohne Autor“ von Regisseur Florian Henckel zu Donnersmarck soll den nächsten Auslands-Oscar holen. Von Britta Schultejans

Mit dem DDR-Drama „Das Leben der Anderen“ hat Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck Filmgeschichte geschrieben. Ihm gelang damit das Kunststück, gleich mit seinem ersten Langfilm überhaupt den Oscar zu gewinnen:  2007 holte er – als bislang letzter Regisseur – den Auslands-Oscar nach Deutschland.


Jetzt bekommt der 45-Jährige die Chance, seinen großen Erfolg zu wiederholen. Sein neuer Kinofilm „Werk ohne Autor“ geht ins Oscar-Rennen und soll 2019 in Hollywood die Trophäe in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Kinofilm holen, wie German Films gestern in München mitteilte. Der Film, der sich grob am Leben des Künstlers Gerhard Richter orientiert, hat seine Weltpremiere in der kommenden Woche beim Festival in Venedig und hofft dort schon auf eine große Auszeichnung: Er konkurriert im Wettbewerb um den Goldenen Löwen.

Der Film „erzählt in einem großen epischen Bogen ein bewegendes Künstlerschicksal im Nachkriegsdeutschland, in einer Zeit, als es schwierig war, zu einer eigenen Kunstsprache zu finden“, heißt es in der Jury-Begründung zur Oscar-Kandidatur. „Der Film hat, unterstützt von einem grandiosen Schauspielerensemble, große poetische Momente und geht gleichzeitig einer essenziellen, auch heute noch aktuellen Frage nach: das Finden einer eigenen Haltung.“



German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, begibt sich mit der Entscheidung für Donnersmarck, der Beiträge wie das Romy-Schneider-Drama „3 Tage in Quiberon“, Michael „Bully“ Herbigs ersten ernsten Film „Ballon“, „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ von Joachim A. Lang, „Der Hauptmann“ von Robert Schwentke und Christian Petzolds „Transit“ hinter sich ließ, auf gewohntes und erfolgversprechendes Terrain: Denn erfahrungsgemäß sind es Beiträge aus der jüngeren deutschen Geschichte, die bei der Academy in den USA gute Chancen haben – was nicht zuletzt der Erfolg für „Das Leben der Anderen“ 2007 zeigte. Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“, der 2003 den Auslands-Oscar gewann, erzählt von einer jüdischen Familie, die in den 1930er Jahren aus Deutschland nach Kenia flieht. Unter die fünf Nominierten schafften es in der jüngeren Vergangenheit die deutschen Beiträge „Das weiße Band“ von Michael Haneke (Nominierung 2010) und „Der Baader Meinhof Komplex“ von Uli Edel (Nominierung 2009). Eine thematische Ausnahme ist da nur die Vater-Tochter Tragikomödie „Toni Erdmann“, die 2017 auf einen Oscar hoffen durfte.

Nun also „Werk ohne Autor“, Henckel von Donnersmarcks erst dritter langer Kinofilm nach seinem Oscar-Erfolg und dem Agententhriller „The Tourist“ mit Angelina Jolie und Johnny Depp. Dass der Regisseur Deutschland nun schon zum zweiten Mal vertreten darf, ist bemerkenswert, aber nicht außergewöhnlich. Auch Filmemacher wie Wim Wenders, Werner Herzog, Caroline Link und Volker Schlöndorff, der 1979 den Auslands-Oscar für „Die Blechtrommel“ bekam, durften nach Angaben von German Films mehr als einmal antreten. Am 22. Januar wird die Academy die Nominierten bekanntgeben, am 24. Februar werden die Oscars verliehen.