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Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK)
Das ist Kunst — und sie muss weg!

Anschauen und mitnehmen! Ein Blick in die Galerie der HBK.
Anschauen und mitnehmen! Ein Blick in die Galerie der HBK. FOTO: Binger Laucke Siebein
Saarbrücken . Die Galerie der HBK zeigt ein Gesamtkunstwerk dreier Kommunikationsdesigner. Von Bülent Gündüz

Für Kunst, die nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen ist, hat sich die spöttische Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ längst etabliert. In der Hochschule der Bilden Künste Saar (HBK) ist diese Frage derzeit aber nicht unberechtigt.


Die HBK nutzt ihre Galerie immer wieder, um ehemalige Absolventen vorzustellen und bietet so ein Schaufenster außerhalb der Hochschule. Noch bis Freitag stellt die HBK die Kommunikationsagentur Binger Laucke Siebein vor. Daniel Binger und Johanna Siebein studierten in Saarbrücken Kommunikationsdesign, Dirk Laucke absolvierte in seiner Heimatstadt an der Universität der Künste in Berlin ein Design-Studium. Die Drei gründeten in Berlin eine Agentur für visuelle Kommunikation, mit einer Dependance in Amsterdam. Namhafte Kunden finden sich im Portfolio, etwa der deutschsprachige Ableger der englischen Kunstzeitschrift „Frieze“, der Design-Möbelhersteller Pastoe, die Hochschule Düsseldorf und die Amsterdamer Reichsakademie der Bildenden Künste. Immer wieder treiben die Agentur­inhaber in ihren Auftragsarbeiten ein auffällig intensives Spiel mit Farbe, Form und Schrift, ohne dabei schrill oder aufdringlich zu werden.

Für die HBK hat das Trio sich eine Collage ihrer Arbeiten erdacht, die von Schrift-, Buch- und Magazindesign über Plakat- und Kampagnengestaltung bis hin zu umfangreichen Corporate Designs reicht und diese zu einem Gesamtkunstwerk vereint. Hier darf man durchaus berechtigt fragen, ob es sich bei vielen Arbeiten überhaupt noch um Design handelt oder um Kunst, denn die Ausstellung ist ein anspruchsvolles Werk geworden. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern hinterfragt auch unsere Vorstellungen von Design und Kunst. Ihrem Motto „Das ist keine Kunst. Das kann weg“  muss man da fast schon widersprechen.



Weg darf es trotzdem, denn die Schau ist als „Mitnehm-Ausstellung“ konzipiert: vorbeikommen – auswählen – mitnehmen. Dazu wurden über 1000 Reproduktionen angefertigt, die von den Ausstellungsbesuchern betrachtet und mitgenommen werden dürfen. Die Drucke sind keine einfachen Reproduktionen, sondern in Postern gruppiert, arrangiert und mit Schrift und Symbolen überdruckt. Dahinter prangt an einer Wand in violett-silbern glänzenden Buchstaben: „Take Away“  – Nimm‘ es mit.“ Und weil die HBK mit Erklärungen gerne geizt, haben die Designer auch gleich auf eines der Plakate eine Anweisung mit Erklärungen und eine Werk-Chronologie gedruckt.

Binger Laucke Siebein – Take Away. Nur noch bis Freitag, 17 bis 20 Uhr geöffnet. www.hbksaar.de/galerie