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Country-Klänge mit poppigem Touch für den Mainstream

Saarbrücken. Dreck unter den Stiefeln haben sie kaum noch. Und auch den Staub haben sie sich weitestgehend von den Hemden geklopft. Als die Avett Brothers vor fast anderthalb Jahrzehnten mit Banjo, Gitarre, Klavier und ihren Songs auf "Country was" die Musikbühne betraten, klangen sie noch anders: roher, traditioneller und fest verwurzelt in ihrem Koordinatensystem zwischen Americana, Folk, Country und Bluegrass. In der Zwischenzeit haben sie aber den Durchbruch geschafft, kooperierten für Alben wie "I and love and you" mehrfach mit Star-Produzent Rick Rubin und bewegen sich nun auf "True Sadness" weiter weg aus ihrem angestammten Terrain. Ja, die Jungs aus North Carolina machen jetzt mehr auf Pop und dürften damit einige alte Fans verprellen. ret

In der langen Liste von Musikern, die die Avetts beeinflusst haben, tauchen Namen wie Queen genauso auf wie die Nine Inch Nails und Aretha Franklin. So mischen sie hier und da (und erneut mit Rubin) ihre vertrauten Klänge unter anderem mit Synthesizern, dicken Streichern und modernen Soundvignetten auf. Die zwölf Resultate auf ihrem neunten Album fallen entsprechend vielseitig aus. Die Musik rückt näher an den Mainstream, funktioniert häufig aber recht gut. Kein Grund also zu wahrer Traurigkeit, wie sie der Albumtitel nahe legt. Ganz an den Pop sind die Avett Brothers eben doch nicht verloren.



The Avett Brothers: True Sadness (Republik/Universal Music)