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Was Charaktere sind: Zum Tod des Mimen Rolf Hoppe

Rolf Hoppe (1930-2018).
Rolf Hoppe (1930-2018). FOTO: dpa / Arno Burgi
Dresden. (dpa) „Am meisten hänge ich an den kleinen Rollen“, hat Rolf Hoppe immer gesagt. Charaktere wollte er zeigen. Sein General Göring als Gegenspieler von Klaus Maria Brandauer in István Szabós preisgekrönter Verfilmung von Klaus Manns Roman „Mephisto“ machte ihn 1981 international bekannt.

Auch als Vater der Pianistin Clara Schumann in Peter Schamonis „Frühlingssinfonie“ zeigte Hoppe seine Klasse, bei den Salzburger Festspielen war er mehrmals der Mammon im „Jedermann“.


Seit 1963 füllte der in Ellrich (Thüringen) geborene Sohn eines Bäckers weit mehr als 400 Film- und Bühnenrollen aus. Er gab im Theater fast allen klassischen und komischen Figuren der Weltliteratur Gestalt. Und stand dazu jahrzehntelang auch vor der Kamera. Der Versuchung, der DDR beim Dreh im Ausland den Rücken zu kehren, erlag er nie. „Der Bauer hängt an seiner Scholle“, sagte Hoppe, der zur Riege der großen DDR-Schauspieler zählte. Wegen der Schurken, die er in Indianerstreifen spielte, galt er lange als „Bösewicht vom Dienst“, obwohl er auch in Historienfilmen über Goya, Beethoven oder Luther agierte. Er blieb auch im neuen Film-Deutschland begehrt, spielte in „Bronsteins Kinder“, „Schtonk!“, „Mario und der Zauberer“ oder im „Tatort“.

Seit 1995 war Hoppe auch Prinzipal eines eigenen Theaters in einem Bauernhof am Rand von Dresden. Dank seines Enkels Oscar drehte er noch in Irland „Die Pfeiler der Macht“ nach Ken Follett sowie den Kinofilm „Die Blume von gestern“ (beide 2016) mit Lars Eidinger und Jan Josef Liefers. Der Tod machte ihm keine Angst, der Übergang sollte aber erträglich sein, wie Hoppe zum 85. bekannte. „Wenn es so weit ist, dann ist es so weit.“