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Romane aus Georgien
Auflösungserscheinungen und Messerscharfes in Tbilissi

HANDOUT - 08.10.2018, ---, -: Das Cover des Romans «Farben der Nacht» von Davit Gabunia. Wuchtig beginnt Davit Gabunia sein Erstlingswerk "Farben der Nacht". Zwischen Krimi und politischer Amour Fou zeichnet der Georgier ein raffiniertes Bild der aufbegehrenden Gesellschaft seiner Heimat. Dabei scheut Gabunia weder kontroverse Politik noch Tabubruch. (zu dpa "Farben der Nacht» - Davit Gabunias Blick hinter Georgiens Vorhänge" vom 09.10.2018) Foto: -/Rowohlt Verlag/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über das Buch und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
HANDOUT - 08.10.2018, ---, -: Das Cover des Romans «Farben der Nacht» von Davit Gabunia. Wuchtig beginnt Davit Gabunia sein Erstlingswerk "Farben der Nacht". Zwischen Krimi und politischer Amour Fou zeichnet der Georgier ein raffiniertes Bild der aufbegehrenden Gesellschaft seiner Heimat. Dabei scheut Gabunia weder kontroverse Politik noch Tabubruch. (zu dpa "Farben der Nacht» - Davit Gabunias Blick hinter Georgiens Vorhänge" vom 09.10.2018) Foto: -/Rowohlt Verlag/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über das Buch und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / -
Saarbrücken. Buchmessen-Gastland Georgien: Davit Gabunias Roman Von Harald Loch

(hal) Der 1982 am Schwarzen Meer geborene Davit Gabunia ist bisher als Dramatiker hervorgetreten. Sein Romandebüt „Farben der Nacht“ legt nun ebenso virtuos wie schonungslos die Spannung zwischen Tradition und Moderne in seinem Heimatland Georgien offen.


Surab lebt mit seiner Frau Tina und zwei kleinen Söhnen in einem Neubauviertel Tbilissis. Er hat seine Arbeit verloren und langweilt sich als Hausmann, während seine Frau das Geld verdient. Ein neuer Nachbar im Haus gegenüber fällt durch seinen knallroten Alfa Romeo auf. Surab beobachtet ihn am Fenster und per Kamera. Der junge Nachbar empfängt Herrenbesuch von homosexuellen Partnern. Surab fotografiert alles, was Gegenüber passiert, fast manisch. Seine Frau merkt davon nichts, sie geht arbeiten, die Kinder sind in den Sommerferien bei der Großmutter. Einer der Besucher  ist ein hoher Geheimdienstoffizier. Manchmal streiten sich die Liebhaber, kommt Eifersucht auf. Eines Tages knallt sein Liebhaber dem jungen Nachbarn eine schwere Vase an den Kopf. Surab geht in die offenstehende Wohnung und nimmt den verblutenden Nachbarn auf.

Während dieser Sommerwochen  2012 herrscht Aufruhr in Tbilissi, ein Machtwechsel kündigt sich an. Tina kommt immer später nach Hause, verweigert ihrem Mann das, was nach georgisch-orthodoxen Gepflogenheiten zu den „ehelichen Pflichten“ gehört. Schließlich versinkt sie in einer verrückten Liebe zu einem neuen Kollegen. Alles befindet sich irgendwie in Auflösung, überkommene Regeln gelten nicht mehr. Surab erzwingt von dem Geheimdienstoffizier eine Anstellung in dessen Behörde.



„Farben der Nacht“ bricht mit traditionellen Vorstellungen von Sexualität und ehelicher Treue. Gabunia hat in seinem ersten Roman alle dramaturgischen Register gezogen, geht virtuos mit den Zeitebenen um, lässt die Handlung aus den verschiedenen Perspektiven zusammenwachsen. Und verfügt über eine Sprache, die messerscharf sein kann, die poetisch aufblüht, die den Zusammenprall zwischen Depression und Aufbruch in der georgischen Gesellschaft überzeugend spiegelt.

Davit Gabunia: Farben der Nacht. Aus dem Georgischen von Rachel Gratzfeld. Rowohlt Berlin, 189 Seiten, 20 Euro