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Briefe der Nazi-Kunsthändler Gurlitt und Böhmer entdeckt

Güstrow. Bisher unbekannte Dokumente der beiden prominentesten Nazi-Kunsthändler sind nach einem Bericht der "Schweriner Volkszeitung" (SVZ) bei Abrissarbeiten in Mecklenburg-Vorpommern aufgetaucht. Die Briefe von Hildebrand Gurlitt (1895-1956) an Bernhard Alois Böhmer (1892-1945) aus den 1940er Jahren gäben unter anderem Auskunft über den Handel mit der von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamierten Kunst, sagte der Geschäftsführer der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow, Volker Probst, der Zeitung. Agentur

Das Haus in Güstrow, unter dessen Terrasse die Säcke mit den Briefen gefunden wurden, liegt in der Nachbarschaft des Stiftungsgebäudes. "Dieser Fund kommt völlig unerwartet", sagte Probst der SVZ. "Plötzlich tauchen unmittelbar neben der Wirkungsstätte Ernst Barlachs Dokumente auf, die mit den Kernfragen unserer Einrichtung zu tun haben. Das ist sehr bedeutend." Vier Briefe aus den Jahren 1943/44 seien deutlich zu entziffern und ein Indiz dafür, dass es sich ums Thema "Entartete Kunst" handelt. Wie Probst berichtete, wollte Gurlitt laut den Briefen die Barlach-Plastiken "Vergnügtes Einhorn" und "Spaziergänger" von Böhmer kaufen. Auch Böhmer war einer der wenigen von den Nationalsozialisten autorisierten Händler, die "entartete Kunst" aus deutschen Museen zur Devisenbeschaffung ins Ausland verkauften. Er war gleichzeitig enger Vertrauter von Ernst Barlach (1870-1938).