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Bildende Kunst
Befruchtende Künstlerfreundschaft

Diese Radierung von Otto Lackenmacher zeigt ihn selbst in den Armen einer Frau (1988).
Diese Radierung von Otto Lackenmacher zeigt ihn selbst in den Armen einer Frau (1988). FOTO: Hans-Karl Reuther / Galerie am Pavillon
Saarbrücken. Die Saarbrücker Galerie am Pavillon spürt der Bekanntschaft zwischen den saarländischen Künstlern Volker Lehnert und Otto Lackenmacher nach.

Volker Lehnert lernte Otto Lackenmacher als Student kennen. Lehnert stammt aus Saarbrücken und studierte in den 1970er Jahren in Mainz. Da war Lackenmacher längst gestandener Künstler und bot dem Studenten an, dessen Radierungen bei Heimataufenthalten auf seiner Presse zu drucken. Die beiden lagen offenbar auf einer Wellenlänge und freundeten sich an. Später revanchierte sich Lehnert. Als der eine eigene Steindruckpresse erwarb, druckte er Radierungen von Lackenmacher nach. Lehnert nahm den Stil des älteren Kollegen auf, ohne ihn einfach zu kopieren. Die düsteren Schraffuren mit dem harten Schwarzweiß-Kontrast und der Vorzug der Linie vor der Fläche finden sich in beiden Œuvres, auch Lackenmachers Hang zum Frivolen blieb nicht ohne Wirkung auf Lehnert.


Wie eng die Verbindung der beiden im Laufe der Jahre geworden war, beweist die Ausstellung eindrucksvoll. Eine der letzten Arbeiten von Lackenmacher ist eine unbetitelte Radierung, die den Künstler eng umschlungen mit einer Frau zeigt. Das Paar wird von einer zweiten Frau beobachtet. Ein ähnliches Motiv findet sich in Lehnerts „Trio“ aus dem Jahr 1979. Ein kaum bekleidetes Paar mit Vogelmasken ist im Vordergrund zu erkennen, dahinter im Dunkel eine weitere Person. Während beide Werke im Stil sehr ähnlich sind, gehen die Künstler das Motiv sehr unterschiedlich an. Während Lackenmacher sich mit seiner Sehnsucht nach Nähe und Anerkennung und dem Wunsch, sich mitzuteilen, vollkommen ungeschminkt zeigt, ist Lehnerts Arbeit viel subtiler und intellektueller.

Gemeinsam ist beiden die sehr persönliche Kunst, die vom eigenen Erleben und Erfahren der Welt geprägt ist. Beide sind begnadete Grafiker. Doch während Lackenmacher am künstlerischen Drang zerbricht und seine Sujets immer radikaler und stumpfer werden, öffnet sich Lehnerts Blick. Er probiert technisch, formal und künstlerisch viel aus. Lithografie und Radierung sind aber bis heute in seinem Werk allgegenwärtig.

In der Ausstellung hängen frühe Arbeiten Lehnerts, aber auch Aktuelles. Ein Highlight sind die vier Holzschnitte, die bisher unveröffentlicht waren. Es sind Werke aus Farbflächen mit Liniengeflechten. Zweifellos nehmen sie eine Sonderstellung in seinem Werk ein und sind vielleicht auch deshalb kaum gezeigt worden. Die Galerie am Pavillon (Mainzerstr. 100) verknüpft Lehnerts und Lackenmachers Werk auf charmante Weise. Viele der Arbeiten stammen aus dem Konvolut von Lehnert, wie auch die Widmung „Für Volker“ beweist. Ergänzt hat Galerist Reuther die Ausstellung um Arbeiten von weiteren Künstlern der Galerie. So hat Hermann Theophil Juncker in seinem Archiv gekramt und vier Drucke beigesteuert, die wieder einmal beweisen, dass er zu den großen saarländischen Künstlern gehört. Außerdem zeigt Reuther Gemälde, Pastelle und Grafiken von August Clüsserath, sowie Arbeiten von Hans Dahlem und Edgar Jené und Grafiken von Nora Hildebrand, Peter Barrois und Jürgen Edlinger.

Bis 23. Dezember. Do-Fr 10-18 Uhr. Sa 11-14 Uhr. Die Lackenmacher-Schau, die bis vor wenigen Wochen im KuBa Kulturbahnhof in Saarbrücken zu sehen war, wird bis 22. Dezember in der Saarländischen Galerie in Berlin gezeigt.