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Pfälzer Impressionist Max Slevogt
Befreit von der braunen Soße

„Winterlandschaft bei Neukastel“ von 1927 (Öl auf Leinwand).
„Winterlandschaft bei Neukastel“ von 1927 (Öl auf Leinwand). FOTO: Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
Kaiserslautern. Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern feiert den 150. Geburtstag  des Impressionisten Max Slevogt in einer respektablen Schau. Von Bülent Gündüz

Hinter dem ältesten Bild in der Ausstellung „Max Slevogt – Impression und Phantasie“ würde man kaum einen Impressionisten vermuten. In „Scheherazade“ sitzt die Schöne auf dem Bett des persischen Königs und erzählt ihm ihre 1001 Märchen. Es ist ein meisterhaftes, aber düsteres Bild in Rot- und Brauntönen. Nicht wenige Künstler und Kritiker sahen diese akademische Ateliermalerei gegen Ende des 19. Jahrhunderts als „braune Soße“ und wollten etwas Neues.


Als Slevogt 1901 nach dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste München nach Berlin kam, hatte er diese dunkle Farbpalette fast schon abgelegt. Nicht unerheblichen Anteil daran hatte eine Reise Slevogts nach Paris, bei der er die französischen Impressionisten um Édouard Manet kennenlernte. Von nun an bestimmten impressionistische Bildmittel seine Werke. Zum Schlüsselwerk wurde das in der Kaiserslauterer Ausstellung gezeigte „Judith mit Selbstbildnis“. Es zeigt den Maler vor der Staffelei sitzend mit einem Bild der Judith. Noch herrschen Brauntöne vor, doch der Pinselstrich ist ungestümer geworden, der Farbauftrag pastoser und das Kolorit heller. Das naturgetreue oder gar idealisierte Abbilden ist nicht mehr entscheidend.

Gemeinsam mit Lovis Corinth und Max Liebermann gehörte Slevogt bald zu den deutschen Impressionisten. Den Deutschen war wie den Franzosen Licht und Atmosphäre wichtig, doch sie pflegten einen autonomen Stil, der bereits expressionistische Ideen vorwegnahm. Das subjektive Empfinden des Malers spielte bereits eine gewichtige Rolle. Trotzdem bleiben die Farben des deutschen Impressionismus milder und die zeichnerische Präzision trotz freien Pinselstrichs stärker.



Dass das Museum Pfalzgalerie den diesjährigen Geburtstagsreigen mit einer Ausstellung eröffnet, ist kein Zufall. Hier nahm auch Slevogts museale Karriere ihren Anfang. 1925 wurde der Maler in Kaiserslautern zum ersten Mal in einem Museum gezeigt. Ein ungewöhnlicher Schritt, denn zeitgenössische Künstler wurden damals nur in Galerien präsentiert. Doch Anfang der 1920er-Jahre war der im bayrischen Landshut geborene Slevogt längst ein berühmter Wahlpfälzer.

Seit 1888 kam er im Sommer zum Malen hierher, zehn Jahre später heiratete er die aus God­ramstein bei Landau stammende Nini Finkler. 1914 erwarb die Familie mit dem Landgut Neukastel bei Leinsweiler eine neue Heimstatt und verbrachte hier viel Zeit. Von nun an malte Slevogt vor allem außerhalb des Ateliers die Pfälzer Landschaft.

Eines der schönsten Gemälde im Museum Pfalzgalerie ist die „Winterlandschaft bei Neukastel“. Es ist ein zartes Gemälde in Blau- und Weißtönen mit Blick auf die verschneite Landschaft um Leinsweiler. Grandios auch das Großformat „Familienbild Slevogt im Garten von Godramstein“ aus dem Jahr 1911, das die Familie im Garten der Schwiegereltern zeigt und zweifellos zu den Hauptwerken des Bayern zählt.

Doch Slevogt verabschiedete sich mit dem Wandel zum Impressionisten nicht von den großen Themen. Sein Interesse an Stoffen aus Oper, Theater und klassischer Literatur verlagerte er auf die Grafik und lebte hier seine Fantasie aus. Allein die Pfalzgalerie hat mehr als 500 Grafiken in ihrem Bestand und zeigt einen reichen Überblick. Slevogts grandioses zeichnerisches und druckgraphisches Schaffen, das als Höhepunkt der deutschen Buchillustration im 20. Jahrhundert gelten darf, wurde einem breiten Publikum vor allem bekannt durch die vielen Auflagen und Ausgaben zu James F. Coopers „Lederstrumpf“.

Außerdem verarbeitete Slevogt Mozarts „Zauberflöte“ und „Don Giovanni“, Homers „Ilias“ und Goethes „Faust“ in Lithographien, Zeichnungen und Radierungen und illustrierte die Autobiographie des manieristischen Bildhauers Benvenuto Cellini.  Während vieles heiter und leicht wirkt, sind die Blätter zu den „Schwarzen Szenen“, die ein wenig an Goyas „Caprichos“ erinnern, düster und ironisch geraten. Dass Slevogt auch weltlichen Genüssen nicht abgeneigt war, zeigen seine Grafiken zum Pfälzer Wein und Preziosen wie die Menükarte für ein Festessen.

Gerade zum Auftakt des Jubiläumsjahres ist die Ausstellung ein gelungener Überblick und eine Hommage an den großen deutschen Impressionisten. Mit 20 Gemälden und zahlreichen Grafiken versucht die Ausstellung gar nicht erst krampfhaft einen kunsthistorischen Bogen zu spannen und lässt die Arbeiten in thematischer Hängung und perfekter Ausleuchtung für sich sprechen. Keine schlechte Idee.

Bis 13. Mai (Museumsplatz 1). Di: 11-20 Uhr, Mi-So: 10-17 Uhr.

Ein um 1899 entstandenes Selbstbildnis (Bleistiftzeichnung).
Ein um 1899 entstandenes Selbstbildnis (Bleistiftzeichnung). FOTO: Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern