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Ist er’s? Ist er’s nicht?
Banksy in Paris? Wirbel um Wandbilder

Eines der Graffitis, die Banksy zugeschrieben werden.
Eines der Graffitis, die Banksy zugeschrieben werden. FOTO: dpa / Thibault Camus
Paris. Paris im Banksy-Fieber: Eine Serie von Street-Art-Kunstwerken wird dem anonym arbeitenden Briten zugeschrieben. Der Künstler selbst lässt das Rätsel bislang offen – und ein Kunsthistoriker spöttelt. Von Sebastian Kunigkeit

() Hat der geheimnisumwitterte britische Street-Art-Künstler Banksy in Paris zugeschlagen? Die Entdeckung von Wandbildern im Banksy-Stil löste in der französischen Hauptstadt geradezu einen Hype aus. Seit Tagen wird in Medien und sozialen Netzwerken über die unsignierten Kunstwerke spekuliert. Eine Sprecherin des Künstlers äußerte sich gestern auf Anfrage zunächst nicht dazu, ob die Bilder tatsächlich von ihm stammen. Sie stellte aber eine baldige Stellungnahme in Aussicht.


Besonders viel Aufsehen erregte die Darstellung eines Mädchens, das ein Hakenkreuz mit einem rosa Muster übersprüht. Sie wurde in der Nähe einer früheren Erstaufnahmeeinrichtung für Migranten am nördlichen Rand der französischen Hauptstadt gefunden. Banksy war schon häufiger mit politischen Botschaften aufgefallen. Das Bild ist inzwischen selbst übersprüht worden.

Andere sind aber noch zu sehen – darunter ein Mann, der einem Hund mit amputiertem Bein einen Knochen hinhält, während er eine Säge hinter seinem Körper versteckt. Zuletzt tauchte auch ein Bild beim Musikclub „Bataclan“ auf, der 2015 Ziel eines islamistischen Anschlags war. An einer Tür in der Seitenstraße, in die damals Konzertbesucher durch Notausgänge flohen, ist eine trist wirkende weiße Figur zu sehen.



Der Gründer des kleinen Kulturmediums „Artistik Rezo“, Nicolas Laugero Lasserre, äußerte sich überzeugt, dass Banksy tatsächlich in Paris unterwegs war. „Gut eine Woche vor der Entdeckung des ersten Wandbildes (...) hatten wir von mehreren Quellen gehört, dass Banksy in Paris sei“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Laugero Lasserre weist auf das Hakenkreuz-Bild hin: Das gleiche Tapetenmuster habe Banksy auf einem Elefanten in Los Angeles und in einer Ausstellung im Museum von Bristol genutzt. „Die Tapete dient als Signatur.“ Zur Frage, ob auch die Figur am „Bataclan“ von Banksy stamme, riet er zur Vorsicht. „Vielleicht ist er noch da und das Abenteuer geht weiter.“ Die Webseite „Artistik Rezo“ hatte bereits am Samstag über die Wandbilder berichtet.

Über Banksys Identität ist viel spekuliert worden, bestätigt wurde sie bisher nicht. Wandstücke mit Graffiti des Straßenkünstlers wurden bei Auktionen teils für mehr als 100 000 US-Dollar versteigert.

Der französische Kunsthistoriker Paul Ardenne merkte an, dass Banksys Kunst sehr einfach zu imitieren sei. Unter anderem mit Blick auf das Bild des Mädchens mit der Spraydose sagte er: „Tatsächlich scheint das Banksy zu sein, aber es ist nicht schwer, auf Banksy zu machen.“ Ardenne, der Banksys Kunst als „Register von Klischees“ bezeichnet, sieht den Medienrummel um den Briten kritisch: „Das Phänomen Banksy ist interessant, aber die Werke sind es deutlich weniger“, meint er.

Das mittlerweile übersprühte Motiv einer jungen Frau, die ihrerseits ein Hakenkreuz übersprüht.
Das mittlerweile übersprühte Motiv einer jungen Frau, die ihrerseits ein Hakenkreuz übersprüht. FOTO: dpa / Thibault Camus