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Auf Spurensuche im Mutterland des Comics

Der Held und das Seeemonster: ein Farbholzschnitt von Utagawa Kuniyoshi (1797-1861). Foto: MKG
Der Held und das Seeemonster: ein Farbholzschnitt von Utagawa Kuniyoshi (1797-1861). Foto: MKG FOTO: MKG
Hamburg. Von den Farbholzschnitten des 17. Jahrhunderts bis hin zu Manga, Anime und Cosplay: Die Ausstellung „Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680“ untersucht die japanische Populärkultur aus fünf Jahrhunderten. den n Heiko Klaas,Nicole Büsing

Angefangen hat alles in der Geisterstunde. Im alten Japan war es üblich, sich in der stockdunklen Zeit zwischen ein und drei Uhr nachts unheimliche Geschichten zu erzählen, um so die Geister und Dämonen zu bannen. Aus dieser mündlichen Tradition heraus entwickelte sich im späten 17. Jahrhundert der Trend zur massenmedialen Visualisierung dieser Geschichten. Wenn man so will, liegen hier die Wurzeln für die seit Ende der 1980er Jahre auch im Westen überaus populäre Bildsprache von Manga und Anime - die japanische Bezeichnung für Animationsfilme.


Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) befasst sich jetzt in der Ausstellung "Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680" mit der Entstehung einer bildhaften Populärkultur. Über 200 historische Holzschnitte, Holzschnittbücher, Entwurfszeichnungen, Druckstöcke und Tuschezeichnungen sind ausgestellt. Den Bogen in die Gegenwart spannt die Schau mit einer Vielzahl von Manga-Büchern und Originalzeichnungen. Ebenso zu sehen sind auch Anime, Ausschnitte aus Videospielen, sogenannte Cosplay-Kostüme und jede Menge Merchandise-Artikel in Form von Manga-Figuren, Kaffeetassen, Geschirr oder Kinderspielzeug.

Die historische Grundlage der Ausstellung bildet die umfangreiche Sammlung des MKG von Farbholzschnitten und Holzschnittbüchern so bedeutender Künstler wie Utagawa Kuniyoshi (1797-1861) und Katsushika Hokusai (1760-1849).

Nora von Achenbach, die die Schau gemeinsam mit Simon Klingler kuratiert hat, betont: "Das Jahr 1680 ist nicht willkürlich gewählt. In diesem Jahr nämlich entstand der Holzschnitt als eigenständiges Bildmedium." Findige Verleger erkannten das Bedürfnis nach Geschichten über Geister und Helden, Samurai-Kämpfer und Kurtisanen. Die Hamburger Schau kann, was die historischen Vorläufer der Comic-Kultur betrifft, aus den Vollen schöpfen: So wird gleich im Eingangsbereich Hishikawa Moronobus in Bildsequenzen erzählte Geschichte über den Dämon Shuten Doji präsentiert. Entstanden um das Jahr 1680 herum ist dies eine der ersten in einem Druckmedium erschienenen Bildergeschichten.

Aber auch die kritische Würdigung der Gegenwart kommt nicht zu kurz: Ein Raum ist der "Kawai"-Ästhetik gewidmet. Eigentlich für Minderjährige entwickelte Produktlinien wie Pokémon, Hello Kitty oder die Roboterkatze Doraemon bedienen sich eines verniedlichenden Kindchenschemas und sind auch bei Erwachsenen beliebt. Manga, Anime und Cosplay werden hier in eine mehrere Jahrhunderte umfassende Traditionslinie gestellt. Für Kuratorin Nora von Achenbach ist das nicht verwunderlich: "Was damals und heute verbindet, ist das Bedürfnis der Menschen nach einer Parallelwelt zu der Welt, in der wir leben."



Bis 11. September. Infos unter: www.mkg-hamburg.de