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| 20:32 Uhr

Kino
Auf den Spuren von „Dirty Dancing“

Unvergessen: Jennifer Grey und Patrick Swayze (1952-2009) vor 30 Jahren im Film „Dirty Dancing“, dessen Welterfolg alle überraschte.
Unvergessen: Jennifer Grey und Patrick Swayze (1952-2009) vor 30 Jahren im Film „Dirty Dancing“, dessen Welterfolg alle überraschte. FOTO: B3053 Enterpress / dpa
Lake Lure. Vor 30 Jahren startete die Romanze „Dirty Dancing“ in unseren Kinos. Noch heute pilgern Fans zum beschaulichen Ort Lake Lure, um zu sehen, wo einst Patrick Swayze und Jennifer Grey tanzten, aber nicht turtelten. Ein Besuch vor Ort. Von Sascha Rettig

Für ein inniges Leinwand-Liebespaar lagen die Hotelzimmer ziemlich weit auseinander. Während der Dreharbeiten zu „Dirty Dancing“ war Patrick Swayzes Zimmer im altehrwürdigen „Lake Lure Inn“ einen Stock tiefer als das seiner Filmpartnerin Jennifer Grey, am entgegengesetzten Ende des Ganges. „Das war damals wohl auf Anfrage der Schauspieler – es gibt Gerüchte, dass die sich überhaupt nicht leiden konnten“, erzählt Patrick Bryant vom Hotel, als er uns die Zimmer zeigt, neben deren Türen goldene Plaketten an die prominentesten Gäste erinnern. Im Kino war von Abneigungen nichts zu spüren. Da funkte es bis zum romantischen  Seufz-Finale zu „(I’ve had the) Time of my Life“ zwischen Tanzlehrer Johnny und Teenager Frances „Baby“ Houseman, im fiktionalen Kellerman-Urlaubsresort: Die frische Verliebtheit prickelte so wie das sexy Tanzen.

Bei den Dreharbeiten ahnte niemand, dass „Dirty Dancing“ ein Dauerbrenner und einer der erfolgreichsten Tanzfilme werden würde. 1987 hatte er allein in Deutschland neun Millionen Kinozuschauer. Weltweit spielte er über 250 Millionen Dollar ein, auf Facebook hat er 30 Jahre nach der Premiere über 16 Millionen Likes.

Lake Lure war der wichtigste Dreh­ort. Deswegen besuchen Fans bis heute den beschaulichen Urlaubsort an dem großen, künstlichen See in North Carolina. Vor sieben Jahren, kurz nach Patrick Swayzes Krebstod, fand erstmals das jährliche Dirty Dancing Festival statt. Mittlerweile lockt es rund 2000 Fans in das Städtchen im streng gläubigen Bible-Belt der USA, das zunächst nicht mit einem Film mit solch einem Titel in Verbindung gebracht werden wollte. Auch wenn der Dreh erlaubt wurde, sollte Lake Lure nicht erkennbar im Film vorkommen.

Für die berühmtesten Szenen lieferte der Ort trotzdem die Kulisse: Hier trug „Baby“ unbeholfen die Wassermelonen die steile Treppe hoch zu einer Party.  Aber übten Grey und Swayze in Lake Lure auch die legendäre Hebefigur im See? Darum scheint eine Kontroverse entbrannt, weil das auch ein anderer Drehort für sich reklamiert – das Mountain Lodge Resort in Virginia. Sicher ist aber, dass die Tanzszenen in Lake Lure gedreht wurden – auch das Finale im Tanzsaal, vor dem Johnny „Babys“ Vater mit dem berühmten Zitat zurechtweist: „Mein Baby gehört zu mir!“.

Nach 30 Jahren ist von den ursprünglichen Drehorten auf den ersten Blick nicht mehr viel erhalten, man muss schon sehr genau hinschauen. Das bizarrste Beispiel ist der Saal, in dem besagtes Tanz-Finale gedreht wurde. Einst die Turnhalle eines Ferienlagers für Jungen, brannte er nach dem Dreh ab. Das Parkett, sozusagen heiliger Boden, existiert trotzdem noch. Es überstand den Brand und wurde dem Hotel „Esmeralda Inn“ überlassen, das zuvor ebenfalls abgebrannt war und wieder aufgebaut werden musste.

Mehr zu sehen gibt es im Besucherzentrum von Lake Lure: eine Dauerausstellung mit Bildern, Originalfilmstreifen und einem Podest mit einem Stein, der vom Drehort stammt. Dort kann dann, wer will,  mit zwei Melonen (Plastik) vor der berühmten Treppe posieren (eine Fotowand). Die Originaltreppe steht hinter dem Zaun einer bewachten Wohnanlage mit teuren Seegrundstücken, die 2005 dort entstanden ist. Zwar schleichen sich immer wieder Fans hinein – das ist allerdings verboten. Eine legale Möglichkeit, sie zu sehen, ist eine Rundfahrt auf dem See. An die kleine Siedlung mit der Treppe fährt Kapitän John Sorr Ells so nah wie möglich heran. Viel zu sehen ist von den Steinstufen und dem Geländer aber nicht. Dafür sagt Ells im Brustton der Überzeugung, dass die Hebefigur in der kleinen Bucht gedreht wurde. „Weil der Boden so matschig war, musste ein Brett auf den Grund gelegt werden, damit Swayze überhaupt stehen konnte“, erzählt er. Im Film sieht das sexy aus, die Drehbedingungen sollen es aber nicht gewesen sein, denn es war schon Herbst. „Und das Wasser sehr kalt“, erklärt der Touristenführer. Außerdem waren damals die Blätter schon herbstlich verfärbt. Da der Film im Sommer spielt, halfen die Produzenten laut Ells nach und ließen die Blätter grün ansprühen.

Außerdem gibt es in der Gegend eine Familie, in der gleich zwei Generationen als Statisten dabei waren: Der Vater Neil Craig stand im Original vor 30 Jahren vor der Kamera. Sein Teenager-Sohn Nathan in der aktuellen dreistündigen TV-Neuverfilmung. Neil war damals 21, als er beim Casting aufkreuzte, und obwohl er kein Profi war, schaffte er es tatsächlich als einer der Dirty Dancer vor die Kamera. „Ich habe einfach gerne getanzt“, erinnert er sich, während er im Schaukelstuhl auf der Veranda hin- und herschaukelt. Patrick Swayze sei damals ein sehr netter, bodenständiger Typ gewesen; Grey hingegen hätte nur mit dem Regisseur und sonst niemandem gesprochen. Und von der Handlung? Wurde den Statisten damals nichts verraten. „Es hieß sogar, dass wir den Film vielleicht nie zu sehen bekommen würden, weil er nur im Ausland gezeigt werden würde.“

Dann aber kam es ganz anders, und doch bleibt Neil zurückhaltend, wenn es um seine Erinnerungen an den Film geht. Der frühere Lebemann krempelte nach einer nächtlichen Erscheinung vor Jahren sein Leben um. Damals wurde er ein wiedergeborener Christ. Vor seiner Frau und dann auch seinen Kindern hielt er die kleine Rolle lange Zeit geheim. Trotzdem war er einverstanden, dass sein 16 Jahre alter Sohn Nathan im TV-Remake in seine Fußstapfen trat – nicht als Tänzer, aber als ein Gast im Urlaubsresort. Ein Problem hat er heute weniger mit den Tanz-Choreographien, die vielleicht etwas aufreizend, aber ja nicht wirklich dirty waren. Vielmehr stört ihn, wie der Film von einer Abreibung erzählt. Nach dem Geld für diesen Eingriff fragte Baby auf dem „Bald Mountain“-Golfplatz, der auch am Lake Lure liegt. Genau am Loch Nummer 16 – dem „Dirty Dancing Loch“.

Wer beim Besuch über solch eine Spurensuche noch die volle Fan-Dosis braucht, sollte zum „Dirty Dancing“-Festival im August fahren. Da schaut man den Film dann unter Tausenden Gleichgesinnter. Man kann Melonen um die Wette schleppen. Oder die Hebefigur im See üben – ganz so wie das Tanztraumpaar, das Swayze und Grey zumindest auf der Leinwand waren.

Infos: www.lakelure.com, theesmeralda.com,: www.lakeluretours.com