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Festival „Mouvements“ für Neue Musik
So könnte eine Kastanie klingen

Saarbrücken. Die Deutsche Radio Philharmonie spielte Neue Musik junger Komponisten.

Die Kulisse für das 6.Studiokonzert im SR-Sendesaal beeindruckte: Ein Wald von Mikrofonen, viele Schlaginstrumente und dazwischen die Musiker der Deutschen Radio Philharmonie (DRP). Die Reihe „Mouvements“ pflegt die „Neue Musik“, junge Komponisten hatten (im Programmheft) einiges zu sagen. Vorwiegend über die Architektur ihrer Werke, weniger zu den Emotionen, die sie hervorrufen.


So Florian Schwamborn zu „Neopolis, 1.Sinfonie“, eine Auftragsarbeit der DRP. In einer „neuen Stadt“ kommt man dank konfliktreicher Einflüsse „nicht zur Ruhe“. Mit musikalischem Material, das ständig in Bewegung ist. Und laut. Klangballungen, Stillstände. Eine spiralförmige „Kontemplation“ soll es sein. Konnte man das hören? Nicht minder problematisch erwies sich „Châtaigne (Kastanie), Installation für Orchester“ des Gouvy-Preisträgers Samuel Walthers. Eine winzige Kastanie fällt und inspiriert zu enigmatischen Konstellationen. Dahinschweben ungewisser Mystik mit gurgelnder Kontrabassklarinette und Kontrafagott. Tuttischläge treiben weiter. Der Hörer kann diese Codes „nicht dechiffrieren, er weiß nichts damit anzufangen“. Wie wahr.

Bernhard Lang hat 2002 „DW7-Differenz/Wiederholung 7“ geschrieben. Für großes Orchester und Loop-Generator. Meist perkussive Elemente werden aufgezeichnet und zeitversetzt wieder zugespielt. Die Bedeutung des „musikalisch Neuen“ soll mit diesen Wiederholungen relativiert werden. Anders der Klangabenteurer Heinz Holliger, dessen „Atembogen“ (1974) das Konzert eröffnet hatte. Musik entlang verwischter Spuren, im Bereich zwischen „noch klingen“ und „nicht mehr klingen“. Stille nicht als Idyll, sondern als Folge und Endpunkt schwindender Klangenergien. Die Musiker atmen, blasen fast geräuschlos, wischen Saiten, trommeln das Griffbrett. Der philosophische Ansatz: Die Wiederholung im Atmen dehnt sich zum großen, ein ganzes Leben umspannenden Atem. Dirigent Titus Engel war kompetenter Steuermann durch die umfangreichen Partituren, die Musiker der DRP wandelten spielfreudig durch ihre Höhen und Tiefen.