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Neues Stück im Theater Überzwerg
Schmerzhafte Suche nach Identität

Ein (Eis-)Meer aus Plastikflaschen: Gerrit Bernstein (grüne Jacke) und Nicolas Bertholet in „Nordlicht“.
Ein (Eis-)Meer aus Plastikflaschen: Gerrit Bernstein (grüne Jacke) und Nicolas Bertholet in „Nordlicht“. FOTO: Uwe Bellhaeuser
Saarbrücken. Das Saarbrücker Theater Überzwerg zeigt „Ins Nordlicht blicken“ nach dem Jugendroman von Cornelia Franz. Von Oliver Sandmeyer

Der Bühnenboden scheint unbegehbar zu sein, dermaßen ist er mit leeren PET-Plastikflaschen bedeckt. Grüne, klare, blaue Flaschen; und auch ein paar braune: eine treffsichere Metapher für die Umweltverschmutzung. Aber auch für die persönlichen Probleme, mit denen sich der 17-jährige Pakkutaq, kurz Pakku, durch das „langweiligste Leben im langweiligsten Dorf der Welt“ in seiner Heimat Grönland herumschlägt.



Am Samstag hatte im annähernd vollbesetzten Überzwerg-Theater in St. Arnual die Bühnenfassung von „Ins Nordlicht blicken“ Premiere. Die ebenfalls anwesende Autorin der erfolgreichen Buchvorlage, Cornelia Franz, sah die von Regisseurin Stephanie Rolser inszenierte Geschichte von Pakku, der – frustriert von seinen Lebensumständen in Grönland – seiner Heimat Richtung Hamburg entflieht. Auf der Überfahrt kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall, woraufhin er die Identität des Schiffsjungen Jonathan Querido annimmt. Jahre später, 2020, kehrt Pakku – nach wie vor mit seiner Identität als Jonathan ringend – nach Grönland zurück.

Die drei Schauspieler Nicolas Bertholet, Gerrit Bernstein sowie Eva Coenen teilen sich die acht zu besetzenden Rollen auf und schaffen es durch ihr kongeniales Zusammenspiel die Zuschauer in die Geschichte hineinzuziehen. Auch die Begleitmusik wird von den dreien gemacht – mal am Klavier, mal mit Perkussion-Instrumenten. Das erzeugt immer wieder eine besondere Stimmung. Die Handlung springt zwischen den Jahren 2011 und 2020 hin und her, zudem zwischen verschiedenen Schauplätzen. Dass die Zuschauer, durch diese Asynchronität herausgefordert, dem Geschehen problemlos folgen können, ist die große Leistung der vielschichtigen Aufführung, die noch dazu das Thema der Erderwärmung verarbeitet: Schrittweise wird die mit weißen Tüchern verhangene Bühnendekoration enthüllt, die Akteure haben sich im Jahr 2020 ihrer Daunenjacken entledigt – obwohl sie sich in Grönland befinden. Außerdem hört man ein stetiges Tropfgeräusch, das die Erderwärmung ganz nebenbei und intuitiv spürbar werden lässt.

Empfohlen ist das Stück ab Klassenstufe 9. Dass den Machern des Überzwerg-Theaters aber erneut gelingt, ein großes Thema an einem persönlichen Schicksal in knapp 90 Minuten auszuleuchten, attestiert der begeisterte Applaus des überwiegend älteren Publikums.

Nächster Abend-Termin: 23. März. Viele 10 Uhr-Vorstellungen, vor allem für Schulen. Info: www.ueberzwerg.de