| 20:52 Uhr

Merziger Museum vor ungewisser Zulunft
„Das war ein Kampf gegen Windmühlen“

Haus ohne Hüterin: Das Museum Schloss Fellenberg in Merzig hat seit Ende Juli keine Leiterin mehr. Wie und ob es mit dem Museumsbetrieb weitergeht, steht aktuell n den Sternen.
Haus ohne Hüterin: Das Museum Schloss Fellenberg in Merzig hat seit Ende Juli keine Leiterin mehr. Wie und ob es mit dem Museumsbetrieb weitergeht, steht aktuell n den Sternen. FOTO: Ruppenthal
Merzig. Nach dem vorzeitigen Weggang seiner Leiterin steht das Merziger Museum Schloss Fellenberg vor einer ungewissen Zukunft. Von Oliver Schwambach
Oliver Schwambach

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die langjährige Leiterin des Merziger Museums Schloss Fellenberg, Dr. Ingrid Jakobs, ihre Tätigkeit Ende Juli vorzeitig beendet. Bereits zuvor wurde das Haus, das vom Landkreis Merzig-Wadern getragen wird, in seiner Ausstellungsfläche drastisch beschnitten. Das Museum steht jetzt vor einer ungewissen Zukunft.


Frau Jakobs, Sie haben zum 31. Juli die Leitung des Museums Schloss Fellenberg vorzeitig aufgegeben. Was sind die Gründe?

JAKOBS Das Kreisheimatmuseum wurde mit Beschluss des Kreistages und der Kulturstiftung für den Landkreis Merzig-Wadern im Juli 2017 geschlossen. Die Räume des bisherigen Kreisheimatmuseums wurden umgebaut und werden jetzt unter anderem als Büros der Kulturstiftung des Landkreises genutzt. Verwaltung ersetzt also Museum. Ohne ständige Sammlungspräsentation ist das Museum aber auch kein Museum mehr: Einer Museumsleitung bedarf es deshalb nicht mehr. Zudem wurde der Etat für Ausstellungen und Veranstaltungen in den Räumen im Erdgeschoss des Schlosses in den letzten Jahren ständig massiv reduziert.



Wieviele Ausstellungen und Veranstaltungen hat das Museum zuletzt gemacht?

JAKOBS 2016 waren es mit den Präsentationen im Kreisheimatmuseum im Obergeschoss noch acht Ausstellungen. 2017 wurden in den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss nur noch drei Ausstellungen gezeigt. Das waren die Verleihung des Monika-von-Boch-Preises für Fotografie an den Luxemburger Fotografen François Besch. Preisgeld und Ausstellung wurden privat finanziert. Im Sommer letzten Jahres war die Landeskunstausstellung wieder zu Gast. Im Herbst zeigten wir die Malerei von Hermann Hesse und dessen Sohn Bruno. Die Exponate stellte sein im Saarland lebender Enkel Simon Hesse zur Verfügung. Dazu gab es dann auch spannende Veranstaltungen, beispielsweise Vorträge über Hesses Frauen und viele mehr. 2018 folgte eine Dokumentation über das Wirken des Merziger Bürgermeisters Ernst Christian Thiel – finanziert von der Familie. Er hat von 1887 bis 1917 die Geschicke der Stadt Merzig gelenkt. In den vergangenen Monaten waren Fotografien des Sportfotografen Ferdi Hartung im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft zu sehen.

Das Museum hat einen Namen als zwar kleiner, aber feiner Ausstellungsort. So hat man sich etwa an der Landeskunstausstellung beteiligt, zeigte anspruchsvolle Malerei aber auch Fotokunst. Gab es dafür ausreichend Resonanz?

JAKOBS Zu uns kamen Besucher aus dem gesamten Saarland, aus Luxemburg und Frankreich. Es ist als großer Erfolg für das kleine Haus zu werten, über die Grenzen hinaus Interesse für Kunst und Kultur geweckt und damit ein deutliches kulturelles Signal aus dem Landkreis gesendet zu haben. Dieses ambitionierte Ziel überregionaler Attraktivität wurde mit Erfolg erreicht.

Was hat man in den vergangenen Jahren unternommen, um die Attraktivität des Ausstellungsortes zu steigern?

JAKOBS Die Museumsleitung hat stets versucht, das erarbeitete hohe Niveau zu erhalten. Aber bei sinkendem Etat war das ein Kampf gegen Windmühlen.

Die Ausstellungsfläche des Hauses ist bereits auf Betreiben des Trägers stark reduziert worden, die Bestände des Kreisheimatmuseums können gar nicht mehr gezeigt werden. Was passiert damit?

JAKOBS Die Leihgaben wurden an die Leihgeber zurückgegeben, andere Ausstellungsstücke hat die Verwaltung in ungenutzten Räumen einer alten Schule deponiert.

Wurde die Ambitionen der Ausstellungsmacherin vom Träger, dem Landkreis Merzig-Wadern, entsprechend gewürdigt? Fehlte dem Haus letztlich die politische Unterstützung?

JAKOBS Die Bedeutung von Kunst und Kultur als Wirtschaftsfaktor und Imageträger für eine Region wird vielfach von den politisch Verantwortlichen nicht hinreichend geschätzt. Oft fehlt hierzu auch der notwendige lange Atem.

Welches waren aus Sicht der Leiterin die herausragenden Projekte über die Jahre?

JAKOBS Da gibt es eine ganze Reihe. Das Museum war seit der Dezentralisierung 2000 immer auch Ort der Landeskunstausstellung. Dazu die Ausstellungen zu den Doppeltalenten wie Hermann Hesse, Janosch oder zum Leben der Waderner Malergräfin Octavie de Lasalle von Louisenthal, die Malerei von Klaus Voormann, die Ausstellung „Chateau Sauvage – Mitglieder des saarländischen Künstlerbundes und französische Freunde“, die vielen Präsentationen Werke saarländischer Künstler wie Lukas Kramer, Gisela Zimmermann, die Fotografien von Monika Zorn und Mechthild Schneider. Beide sind Preisträgerinnen des Monika-von-Boch-Preises für Fotografie, den wir 2003 eingeführt haben, um damit an diese Fotografin aus dem Landkreis zu erinnern. Die Reihe „Sonntags um 6, ... Menschen, die etwas zu sagen haben“. Da konnten wir etwa Frank Elstner, die Sterneköchin Léa Linster, Reiner Calmund, SR-Intendant Thomas Kleist begrüßen – sie kamen ins Museum, ohne Honorar zu verlangen. Es waren immer ganz besondere Erlebnisse. Gerne erinnere ich mich an ganz viele herausragende Konzerte und auch an die Vorträge mit der mittlerweile verstorbenen Mundartdichterin Edith Braun zur Heimatkunde. Von bleibendem Wert ist der Paul Schneider-Skulpturenpark mit vielen Skulpturen saarländischer Künstler wie Leo Kornbrust, Liselotte Netz-Paulik, Heinz Oliberius und natürlich mit Steinen von dem Merziger Bildhauer Paul Schneider – alle Leihgaben stellten die Künstler kostenlos zur Verfügung. Meistens wurden auch noch die Transportkosten von den Künstlern übernommen.

Welche Zukunft sehen Sie noch für das Museum?

JAKOBS Ein Museum ist es eigentlich nicht mehr. Es fehlt jetzt die Präsenz einer ständigen Sammlung, die ein Museum ausmacht. Deshalb wurde ja auch in dem entsprechenden Gutachten eine Namensänderung vorgeschlagen. Ich wünsche den künftig Verantwortlichen im Schloss Fellenberg Anerkennung und Unterstützung – und genauso viel Freude an der Arbeit – trotz vieler Probleme – wie mein Team und ich sie hatten.

Das Gespräch führte
Oliver Schwambach

Ingrid Jakobs, die langjährige Leiterin des Museums Schloss Fellenberg.
Ingrid Jakobs, die langjährige Leiterin des Museums Schloss Fellenberg. FOTO: Landkreis