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Fotoausstellung im KuBa Kulturzentrum am Eurobahnhof in Saarbrücken
Morbider Charme in Farbe und Schwarzweiß

Gespenstisch wirkt diese im Dämmerlicht fotografierte Ruine.
Gespenstisch wirkt diese im Dämmerlicht fotografierte Ruine. FOTO: Mathilde Dieudonné
Saarbrücken. Das KuBa am Saarbücker Eurobahnhof zeigt junge Fotografen aus Lothringen und dem Saarland. Von Bülent Gündüz

Noch immer ist der Künstleraustausch in der Großregion eher dürftig und auf Leuchtturmprojekte wie „Artmix“ beschränkt. Dabei sind die Lebenswelten der Menschen in Lothringen und dem Saarland sehr ähnlich. Beide Regionen wurden 150 Jahre lang von der Montanindustrie geprägt und mussten seit den 1980er Jahren deren Niedergang und den strukturellen Wandel verkraften.


Auf Initiative des Goethe-Instituts Nancy und der Association Surfaces résiduelles zeigen jetzt die Französin Mathilde Dieudonné und der Deutsche Tobias Heitz im KuBa eine gemeinsame Ausstellung mit Fotografien ihrer sehr unterschiedlichen Spurensuche nach industriellen Relikten in ihren Heimatländern.

Mit sensiblem Blick sucht HBK-Absolvent Tobias Heitz nach der ästhetischen Schönheit der Industrieanlagen. Der künstlerische Fokus liegt bei seinen Aufnahmen in der Wahl des Bildausschnittes. So wird etwa der Schrägaufzug der Völklinger Hütte mit seinen Gerüsten und Umlenkrollen zu einem abstrakt-geometrischen Bild. Das strikte Schwarzweiß unterstützt die rhythmischen Kompositionen und verstärkt den Eindruck des längst Vergangenen.



Mathilde Dieudonné arbeitet mit Farbaufnahmen. Sie streifte durch die verlassenen Industriekomplexe Lothringens. Im fahlen Licht der Dämmerung fotografiert sie durch die vandalierten Hallen nach draußen ins Freie, wo sich die Natur die Brachen zurückholt. Aber auch die Architektur rückt in den Mittelpunkt. Mit Langzeitbelichtungen taucht sie die Außenfassaden der Ruinen vor leuchtendem Himmel ins Halbdunkel. Ihre Bilder sind stark von Stimmungen geprägt.

Die Schau ist nicht nur ein wunderbares Zeugnis für die gemeinsame Vergangenheit. Sie zeigt auch, wie man mit scheinbar einfachen künstlerischen Mitteln sehr unterschiedliche Bildaussagen treffen kann. Morbiden  Charme haben beide Werkserien.

Läuft bis 2. April. Geöffnet: Di-Fr 10-16.30 Uhr.