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Fantastical in Neunkirchen
Mix aus Märchenstoff und Mittelalter-Musik

Meister der Mittelalter-Musik: „Corvus Corax“ sorgen für Tänze und Lieder in „Der Fluch des Drachen“.
Meister der Mittelalter-Musik: „Corvus Corax“ sorgen für Tänze und Lieder in „Der Fluch des Drachen“. FOTO: Holger Bäcker / Holger Bücker
Saarbrücken. „Der Fluch des Drachen“, ein „Fantastical“ nach einer Geschichte des Homburger Fantasy-Autors Markus Heitz, gastiert am Freitag in Neunkirchen. Von Esther Brenner
Esther Brenner

Seit Markus Heitz mit seinem Romandebüt „Die dunkle Zeit“ 2003 den Deutschen Phantastik Preis gewann, ist er in der Fantasy-Szene eine feste Größe. Mit seiner fünfteiligen „Zwerge“-Saga gelang dem Homburger Autor, der fast zehn Jahre lang auch Mitarbeiter dieser Zeitung war, der Durchbruch. Bis heute hat der 46-Jährige, der pro Jahr mindestens zwei dicke Romane vorlegt, rund fünf Millionen Bücher in Deutschland verkauft. Weltweit sollen es gar acht Millionen sein, übersetzt in viele Sprachen. Der Bestseller-Autor ist zwar viel unterwegs, wohnt aber nach wie vor in Homburg – und betreibt zudem einen Irish Pub in Zweibrücken.


Markus Heitz probiert immer wieder neue Formate aus. So hat er jetzt das „Fantastical“ „Der Fluch des Drachen“ zusammen mit dem bekannten Schauspieler und Sprecher Johannes Steck und der Mittelalter-Musikgruppe Corvus Corax auf die Beine gestellt. Mit diesen Musikern hatte Heitz 2010 bereits bei der Bühnenversion seiner „Zwerge“ zusammengearbeitet. Uraufgeführt wurde das Fantastical bereits im vergangenen Jahr, am Freitag ist es in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen zu sehen.

„’Der Fluch des Drachen’ ist kein klassisches Musical, sondern eine Mischung aus Schauspiel, Musik und Text. Das Geschichtenerzählen steht im Vordergrund“, sagt Heitz. „Und der Humor kommt auch nicht zu kurz.“ Worum geht es? Um den Schmied Adamas, der unverhofft in ein fantastisches Abenteuer geworfen wird, bei dem er sieben Aufgaben lösen muss, um ein Königreich – und natürlich auch eine dazu gehörige Königstochter – zu erringen. Klassischer Märchenstoff eben, musikalisch verpackt von der Gruppe „Corvus Corax“, die in der Fantasy- und Mittelalter-Szene auch als die „Könige der der Spielleute“ bekannt sind. Mit nachgebauten mittelalterlichen Instrumenten wie Dudelsäcken oder Schalmeien sorgen sie für den passenden Klang. Die Liedtexte hat allesamt Markus Heitz geschrieben. Fürs Libretto-Schreiben hatte Markus Heitz bereits 2012 Erfahrung gesammelt. Damals schrieb er Plot und Texte für ein Timm-Thaler-Musical nach dem berühmten Jugendbuch von James Krüss, für dessen musikalische Umsetzung Xavier Naidoo verantwortlich war.



„Ich bin ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler“, sagt der studierte Germanist und Historiker, der beim Schreiben äußerst diszipliniert vorgeht. Entweder er entwerfe erst eine komplett neue Fantasy-Welt oder zuerst den Plot (die Handlung), erzählt er über seine Arbeitsweise. Sein allerneuestes Buch, das im März erscheint, heißt „Die Klinge des Schicksals“ – und dieses Mal ist Heitz’ Heldin eine rüstige Seniorin. Er wolle nun auch die Generation „60 Plus“ ansprechen. „Schließlich war auch Don Quijote nicht mehr der Jüngste, als er gegen die Windmühlen kämpfte“, scherzt Markus Heitz. „Mich interessieren Stoffe, die ich in ein neues Licht rücken kann.“ Denn alles sei im Grunde schon einmal erzählt worden, Märchen und Sagen speisen sich aus Mythen und Anekdoten. Gerne greift Markus Heitz deshalb Geschichten, aber auch Spiele auf, die er neu einführt und über mehrere Zeitebenen miteinander verknüpft wie zum Beispiel in „Des Teufels Gebetbuch“ (erschienen 2017). Darin dreht sich alles um ein mysteriöses, ja gefährliches Kartenspiel. „Mich hat interessiert, wo das Spiel überhaupt herkommt. Das war extrem viel Rechercheaufwand“, erzählt der Bestseller-Autor.

Als es noch kaum Computerspiele gab, entwickelte er in den 80er Jahren Rollenspiele, die man zuhause in kleinen Gruppen interaktiv mit einem Würfel spielte. Wie bei modernen Computerspielen gab es Rätsel zu lösen und einen Spielleiter, der die Abenteuer für die Gruppe (meist um die vier Spieler mit Rollen wie Krieger, Heiler, Dieb oder Spurensucher) nach Anleitung organisierte.

Heute spielt kaum noch jemand analoge Rollenspiele. Die Computer haben die Märchenwelt übernommen. Und Markus Heitz bringt seine Geschichten jetzt auf die Bühne – am Freitag in Neunkirchen.

„Der Fluch des Drachen“ ist am Freitag, 20 Uhr, in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen zu sehen. Karten unter Tel. (06 51) 97 90 777 und unter
www.nk-kultur.de/halbzeit



Fantasy-Autor Markus Heitz.
Fantasy-Autor Markus Heitz. FOTO: kupka