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Kino
Mit Heidi und Captain Future am Klavier

Komponist mit viel Humor: Christian Bruhn
Komponist mit viel Humor: Christian Bruhn FOTO: Tobias Kessler
Saarbrücken. Filmmusik-Komponist Christian Bruhn entzückte das Saarbrücker Kino Achteinhalb. Von Tobias Keßler
Tobias Kessler

Ein herrlicher Abend war das im Kino Achteinhalb. Zu Gast war Komponist Christian Bruhn, dessen Namen vielleicht nicht jeder kennt, seine Musik aber schon. Über 2500 Stücke hat er geschrieben, vom Schlager bis zur Filmmusik, von Heine-Vertonungen bis zu „Heidi“, „Timm Thaler“ und „Captain Future“. Mit dabei am Dienstagabend hatte der 83-Jährige die Bruhn-Doku „Meine Welt ist die Musik“, deren Regisseurin Marie Reich und den Produzenten Constantin Ried.


Als nostalgische Einstimmung lief ein 1974er Bericht des SR über die Verleihung der „Goldenen Europa“ auf Schloss Halberg: mit vielen langen Koteletten, mit Peter Alexander, Heino, Cindy & Bert, Paulchen Kuhn am Klavier und eben Christian Bruhn. Nach der sehenswerten Doku „Meine Welt ist die Musik“ (wir berichteten) erfuhr man im Gespräch, moderiert vom Filmwissenschaftler Nils Daniel Peiler, einiges. Etwa, wie Regisseurin Reich erzählte, dass sich für das Filmprojekt erst einmal niemand interessiert hat, kein Sender, keine Filmförderung, und dass das Klären der Musikrechte knifflig war: Mireille Mathieu etwa, die bis heute viele Bruhn-Songs wie „Hinter den Kulissen von Paris“ im Programm hat, habe nichts herausgerückt; und ein paar Szenen-Sekunden aus „Captain Future“, die das Filmteam gerne gezeigt hätte, waren für den Film schlicht unbezahlbar. Immerhin: Nach seiner Premiere bei den Hofer Filmtagen hat die Doku einen Verleih, im Herbst läuft sie regulär an. Bruhns Kommentar zum Film: „Sehr gut, aber ich komme halt zu oft drin vor.“

Nach dem Filmgespräch setzte sich Bruhn ans „Schimmel“-Klavier des Achteinhalb, erklärte in einem gewitzten Vortrag den Vorzug des dreistufigen Terz-Intervalls, den er höchst erfolgreich etwa in „Heidi“ und in der „Milka“-Werbung eingesetzt hat; danach jazzte er ein bisschen und spielte dann auf Zuruf Wunschnummern des Publikums: „Wickie“ etwa, ein vertontes Heine-Gedicht, „Winter in Kanada“ und das Thema von „Timm Thaler“: In Dur klänge das ganz grausig (in der Serie ist es in Moll), hatte er im Gespräch davor erzählt. Also bitte mal in Dur, wünschte sich ein Fan von Bruhn, der unter dem Gelächter des Publikums nach ein paar Takten abbrechen musste: „Oh Gott, ich kann nicht mehr, das ist furchtbar“. Ein Höhepunkt war die instrumentale Fassung des Schlagers „Er ist wieder da“. Da war die elegante Melancholie des von Bruhn sehr geschätzten Burt Bacharach nicht weit weg. Bruhns Fazit, das für den ganzen Abend gelten könnte: „Schön, gell?.