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Entscheidung im Stadtrat
Düsseldorf will Fotosammlung für acht Millionen Euro kaufen

Abzug von Man Rays „Les Larmes“, das zur Sammlung Kicken gehört, die die Stadt Düsseldorf kaufen möchte.
Abzug von Man Rays „Les Larmes“, das zur Sammlung Kicken gehört, die die Stadt Düsseldorf kaufen möchte. FOTO: Man Ray Trust, Paris; VG Bild-Kunst, Bonn 2018 / Kunstpalast
Der Stadtrat hat am Donnerstag dem Kauf von rund 3000 Fotografien aus der Berliner Sammlung Kicken zugestimmt. Einen Teil der Arbeiten kauft die Stadt für den Kunstpalast, den anderen bekommt sie geschenkt. Von Klas Libuda und Arne Lieb

Der Kunstpalast in Düsseldorf steht vor dem Ankauf einer bedeutenden Sammlung von Fotografien. In seiner Sitzung am Donnerstag hat der Stadtrat dem Ankauf von mehr als 3000 Arbeiten für das Kunstmuseum zugestimmt, darunter Werke von Man Ray, August Sander und Helmut Newton. Die Stadt ist bereit, für die Sammlung acht Millionen Euro zu bezahlen, und erhofft sich, Düsseldorf als Standort für Fotografie zu stärken.


Die 3039 Fotografien stammen aus der Sammlung der Berliner Galerie Kicken, die sich seit den 1970ern der Fotokunst widmet und seitdem half, die Fotografie in Deutschland als Kunstgattung zu etablieren. Nun will Galeristin Annette Kicken ihr Haus neu ausrichten, weg vom Kunsthandel, hin zur Kunstvermittlung und Zusammenarbeit mit institutionellen und privaten Partnern, etwa für Ausstellungsprojekte zur Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts. Die umfassende Sammlung stellt Kicken deshalb zum Verkauf. Dem Düsseldorfer Kunstpalast hat sie ein Angebot unterbreitet, das die Stadt als Träger des Hauses nun angenommen hat: 1823 Fotos möchte Düsseldorf für die städtische Sammlung kaufen, 1216 Aufnahmen schenkt Annette Kicken zudem dem Kunstpalast. Außerdem soll sich die Galeristin bereit erklärt haben, dem Museum über fünf Jahre einen wissenschaftlichen Mitarbeiter zu finanzieren, der die Sammlung betreut.

Das Konvolut umfasst unter anderem 540 Fotografien aus dem 19. Jahrhundert, 1001 Werke aus den Bereichen Neues Sehen und Neue Sachlichkeit sowie unter anderem Arbeiten aus der Bauhaus-Fotografie und den New Topographics. Vertreten sind Arbeiten von Künstlern wie Robert Capa, Albert Renger-Patzsch, Eadweard Muybridge, Edward Weston sowie Bernd und Hilla Becher, teilte der Kunstpalast mit. Der Schwerpunkt liege auf Arbeiten von Fotografen aus Europa und den USA.



„Die Fotografie als das bedeutendste Bildmedium des 20. Jahrhunderts ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit von Museen“, sagte Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalasts. Der Ankauf ermögliche der städtischen Kunstsammlung, eine wesentliche Lücke in ihren Beständen zu schließen.

Krämer hatte das Vorhaben erst am Montag in den Fraktionen vorgestellt und sie offenbar überzeugt. Im Stadtrat wurde der Beschluss zum Ankauf einstimmig gefällt, bei einigen Enthaltungen.

Krämer kommt zugute, dass die Haushaltslage in Düsseldorf dieses Jahr erheblich besser als in den Vorjahren ist. Dazu kommt, dass Düsseldorf seine Rolle als Fotostadt in den nächsten Jahren stärker herausstellen möchte. Derzeit wird ein neues Festival vorbereitet, in dem die Fotografie eine tragende Rolle spielen soll. Auch über ein Fotozentrum wird diskutiert. „Durch den Ankauf würde Düsseldorf schlagartig einer der bedeutenden Standorte für Fotografie in Deutschland und damit seiner Rolle und seinem Anspruch als Fotostadt gerecht“, sagte Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Für Anfang 2020 ist dem Kunstpalast zufolge eine Ausstellung angedacht, die einen Überblick über die Sammlung geben soll.