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National Portrait Gallery
Zwei Obamas für das Museum

Michelle und Barack Obama in Öl. Foto: Andrew Harnik/AP
Michelle und Barack Obama in Öl. Foto: Andrew Harnik/AP FOTO: Andrew Harnik
Washington. Donald Trump war nicht im Raum. Weder persönlich, noch als Bild. Die National Portrait Gallery der Vereinigten Staaten führt den 45. Präsidenten bisher nur auf ihrer Webseite, nicht in der Ausstellung. Von Michael Donhauser, dpa

Barack Obama (56) dagegen, Trumps Vorgänger, wurde am Montag mitsamt Ehefrau Michelle (54) offiziell in den ehrwürdigen Hallen aufgenommen. Kehinde Wiley, ein Künstler aus Los Angeles, bannte Obama in Öl auf Leinen, lässig auf einem Stuhl sitzend, vor einer großen Hecke mit farbigen Blüten.



Obwohl Obamas Nachfolger im Weißen Haus bei der Zeremonie am 209. Geburtstag Abraham Lincolns nicht zugegen war: In den Köpfen der von Ex-Obama-Vize Joe Biden angeführten Gemeinde von Kunstfreunden spielte der so grenzenlos andere Präsident durchaus eine Rolle. „Ich vermisse euch“, rief Barack Obama eingangs seiner kurzen, aber launigen Rede ins Publikum. Es dürfte ihn nicht sonderlich überrascht haben, als ein lautes, beinahe euphorisches Echo aus dem Saal zurücktönte: „Wir vermissen dich auch!“

Gerade beim Hauptstadtpublikum, wo Trumps Republikaner traditionell keine Rolle spielen, ist die Sehnsucht nach dem „besseren Präsidenten“ groß, nach der Lässigkeit eines scherzenden Barack Obama, nach der Souveränität der First Lady Michelle, die humorvoll den Saal erobert, aber genauso ernst und tiefgründig reden kann.

David Skorton, der Geschäftsführer der staatlichen Museen in Washington, erinnerte nicht umsonst an die „Umarmung, die im ganzen Land gespürt wurde“. Im Jahr 2016 hatte Michelle Obama bei der Eröffnung des Museums für Afro-Amerikanische Geschichte dem Amtsvorgänger ihres Mannes, George W. Bush, den Arm um die Schulter gelegt. Das Bild ging um die Welt.

Ein Jahr nach den Obamas scheint den Amerikanern so etwas zu fehlen. Donald Trumps Lächeln wirkt oft künstlich, seine seltenen Scherze bemüht. Seiner Ehefrau Melania wird regelmäßig vorgeworfen, ihre Rolle als First Lady nicht in geeigneter Weise zu füllen - wenngleich ihre Beliebtheitswerte die ihres Ehegatten bei weitem übersteigen.



Auch am Montag bekamen Trump und seine Politik ihre Abreibung, auch wenn niemand den Namen des amtierenden Präsidenten aussprach. „Es geht nicht darum, wie man erscheint - wie man ist, das ist, was zählt“, sagte die Leiterin des Museums, Kim Sajet.

Jedes Lob, das die Laudatoren Obama zuteil werden ließ, schien wie eine Ohrfeige für seinen Nachfolger. „Ich denke an all die jungen Menschen, besonders die Mädchen, die farbigen Mädchen, die ein Bild von jemanden an der Wand dieser großartigen amerikanischen Institution hängen sehen, das aussieht wie eines von ihnen“, sagte Michelle Obama. „Ich weiß um den Einfluss, den das auf ihr Leben haben wird, weil ich einmal eines von diesen Mädchen war.“ Mehr passionierte Gleichberechtigungspolitik geht nicht, mehr Botschaft an Amtsinhaber Trump, der Länder mit schwarzer Bevölkerungsmehrheit als „Dreckslöcher“ bezeichnet haben soll, passt nicht mehr zwischen die Zeilen.

Die Künstler hatte das Ehepaar Obama selbst ausgewählt - aus einer Vorschlagsliste, die die National Portrait Gallery dem Weißen Haus vorgelegt hatte. Sowohl Wiley als auch die von Michelle Obama ausgewählte Amy Sherald waren bisher bekannt für ihre Werke von Afro-Amerikanern. „Kehinde war klar im Nachteil“, scherzte Barack Obama. Schließlich sei er im Vergleich zu seiner Frau nicht so ein „einnehmender Typ“. Der Versuch, auf dem Porträt kleinere Ohren herauszuhandeln, sei gescheitert. Dann sei er ungeduldig geworden und habe während der Sitzungen mit dem Künstler öfter mal auf die Uhr geschaut, berichte der Ex-Präsident.

Wiley hat seinen Nachteil ganz gut wettgemacht. Sein Porträt traf den Politiker nach Meinung des Publikums auf den Punkt. Ein vielstimmiges „Wow“ ging durch den Saal, als Künstler und Porträtierter gemeinsam das Tuch vom Gemälde entfernten. Das Bild wird von Dienstag an die Galerie zieren, die als einzige weltweit außerhalb des Weißen Hauses eine Sammlung von Porträts aller US-Präsidenten beherbergt.

1600 Werke sind es insgesamt: vom ehrwürdig posierenden George Washington, über den künstlerisch eigenwillig dargestellten John F. Kennedy bis zum verschmitzt lächelnden George W. Bush. Auch Obama war bereits mit zwei Fotografien vertreten - sie mussten dem neuen Gemälde weichen.

Die Praxis, am Ende der Amtszeit eines Präsidenten ein offizielles Porträt anfertigen zu lassen, wurde erst 1994 unter George H.W. Bush begonnen. Die First Ladys sind erst seit 2006, beginnend mit Hillary Clinton, Bestandteil der Galerie. Sie hängen allerdings an einem anderen Platz als die Chefs des Hauses. Erstmals durften - für das erste afro-amerikanische Präsidentenpaar - schwarze Künstler ans Werk. Zu den Spendern, die das Projekt mitermöglichten, gehörte diesmal auch der Hollywood-Regisseur Steven Spielberg.

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