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CD-Tipp und Konzert
Jazz ohne stilistische Scheuklappen

Saarbrücken . Das Silent Explosion Orchestra stellt seine neue CD am 4. Februar in Saarlouis vor. Von Stefan Uhrmacher

Kevin Naßhan ist kein Jazzpunk, sondern schätzt majestätische Sounds im Breitwandformat. Dieser Vorliebe frönt der junge Saarlouiser Schlagzeuger, Absolvent der Hochschule für Musik Saar (HfM), in Personalunion auch als Ensemblechef und Komponist mit seinem 2014 aus der Taufe gehobenen „Silent Explosion Orchestra“: Nicht weniger als 30 überwiegend saarländische Musiker, darunter fünf Streicher, folgen Naßhan beim Debütalbum „Prologue“ (JazznArts Records) auf einer Reise zwischen lyrischen Farben mit medi­tativem Touch und groovendem Jazz.



Griffe zu weithin beliebten Songklassikern erweitern die musikalische Palette, und da kennt der breit aufgestellte Naßhan keine stilistischen Scheuklappen –  das unterstreicht auch die Wahl der beiden Gesangssolisten: Svenja Hinzmann und Andreas Braun empfehlen sich bei Melodien von Sting, Joni Mitchell oder dem Uralt-Evergreen „Mr. Bojangles“ weniger mit jazziger denn mit popmusikalischer Gestaltung. Insgesamt wirft die klangliche und spielerische Raffinesse der homogen wirkenden erweiterten Bigband ein erfreuliches Licht auf die regionale Szene rund um den Jazz – und mittendrin waltet Naßhan mit elastischem und entspanntem Spiel als Regisseur am Drumset. Schöne ruhige Strecken bietet das Album (Aufnahme: Ralf Schnellbach, SR), so mit Naßhans melancholisch anmutender Kreation „Rainfall“. Und in den stärksten Momenten macht das Silent Explosion Orchestra das Stillsitzen schwer: Den mondänen Groove von „Great Expectations“ aus der Feder des Saxofonisten Johannes Müller und die funkige Glut von Philipp Schugs (Posaune) „Koulikoro“ verdankt Kevin Naßhan zwei ebenfalls saarländischen „Special Guests“.

CD-Veröffentlichungskonzert: Sonntag, 4. Februar, 18 Uhr, Theater am Ring Saarlouis Karten: www.ticket-regional.de