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Irische Tänze, eine Karriere und Stepp-Schuhe
„Habe das Glück, meinen Traum leben zu können“

Ganz vorne: Dane McKiernan und Arlene McVeigh
Ganz vorne: Dane McKiernan und Arlene McVeigh FOTO: Wim Lanser / National Dance company of ireland
Rhythm Of The Dance-Choreograf Dane McKiernan über seine Arbeit mit dem Ensemble und die Freude, irische Tanztraditionen zu erhalten.

Dane McKiernan tanzt, seit er denken kann. Er ist vor 29 Jahren in der Stadt Meath in Irland geboren und schwingt schon seit dem Jahr 1994 das irische Tanzbein. Heute ist er Choreograf und leitender Tänzer bei der Tanzshow „Rhythm of the dance“.



Wann hast Du mit dem Tanzen angefangen?

Schon im Jahr 1994, als „Riverdance“ rauskam. Genau wie der Rest der neuen Generation von Tänzern in Irland. Wir alle haben es im TV gesehen und wollten mitmachen. Ich habe in der nächsten Woche schon Tanzstunden in einem Studio in meiner Heimatstadt genommen. Dort habe ich dann für die nächsten fünfzehn Jahre gelernt, bis ich in 2006 bei „rhythm of the dance“ vortanzte.

Und sie haben Dich genommen. Wie ging es dann weiter?

Zuerst war ich dort für zwei Jahre. Dann bin ich drei Jahre lang zu „Riverdance“ gegangen. Danach bin ich zu einem neuen, sehr modernen Tanzensemble gegangen – „Prodijig“. Dort bin ich auch heute noch „Dance-captain“, bin aber in 2013 wieder zu „Rhythm of the dance“ als leitender Tänzer zurückgegangen. Nach einem Jahr übergab mir die Choreografin dort ihren Job.



Zwei Shows auf einmal?

Ja, ich brauche einen Ausgleich. Gerade habe ich eine neue Aufführung mit „Prodijig“ fertiggestellt, die einen modernen Stil irischen Tanzes verfolgt. „Rhythm of the dance“ hingegen ist sehr traditionell. Die Arme sind immer in den Hüften oder liegen steif am Körper an. Die Show hat wohl moderne Elemente, bleibt aber doch der Tradition immer treu.

Warum gerade irischer Tanz?

Schon damals konnte ich es nicht beschreiben, es hatte mich einfach. Ich bin zum Vortanzen gegangen, weil eine Freundin mich dabei haben wollte. Am Ende haben sie mich genommen und nicht sie. So bin ich da hineingestolpert.

Ein Zufall also. Lebst Du nun zufällig Deinen Traum?

Eindeutig, ja. Ich wollte schon immer etwas kreieren und auch Verantwortung haben. Ich liebe den irischen Tanz so sehr, dass ich ein Buch darüber schreibe: „The Essential Guide to Irish dance“.

Worum wird es darin gehen?

Ich versuche darin, den Mythen und Ursprüngen der Tänze auf den Grund zu gehen. Es gibt viele verschiedene Auffassungen, wo der Stil herkommt.

Wie zum Beispiel?

Eine Vermutung hat mit alten zweiteiligen Klapptüren zu tun. Die Iren durften wohl damals keinen Spaß haben. Wenn dann jemand nach dem Rechten sah, blieb der untere Teil der Tür verschlossen, sodass man die Füße nicht sah. Die Tänzer hielten die Arme immer dicht am Körper oder steckten die Hände in die Hüften, als ob sie nichts tun würden, tanzten aber weiter.

Welche Tänze gibt es in „Rhythm of the dance“ zu sehen?

Wir haben vier Haupt-Tanzrichtungen in Irland. Die Erste und meistgetanzte heißt Reel und ist im 4/4-Takt. Außerdem gibt es den Jig im 6/8-Takt, den Slip Jig, der noch langsamer ist und den Hornpipe. Doch die meisten Tänze in unserer Show sind Reel-Tänze. Neu im Programm ist ein Tanz mit Jazz- und Swingeinflüssen sowie einem Hauch von Charleston. Er stellt die zwanziger Jahre in dem Stück dar. Eine weitere Besonderheit ist der Sean-nós-Tanz (irisch: „alter Stil“). Er ist die ursprüngliche Tanzform des irischen Stepptanzes und ist ein freier Solotanz. Dabei hängen die Arme frei und dürfen sich bewegen. In der Vorführung tanzt unsere Sean-nós-Tänzerin gegen eine klassische Tap-Tänzerin an, so sieht man genau die Unterschiede.

Es gibt also in der Tradition mehrere verschiedene Arten von Stepptänzen?

Ja, es gibt Unterschiede wie beispielsweise „Hard- und Softshoe“- Tänze, wobei die Männer meistens harte Schuhe tragen und die Frauen Weiche, die „Ghillies“. Das geht auf die Leichtigkeit zurück, mit der die Frauen in Irland früher tanzten, da sie sich barfuß bewegten. Die Hartschuhe haben Fiberglas- oder Metallsohlen, wobei das Fiberglas lauter und darum praktischer ist, denn die Show ist live.

Ist das manchmal beängstigend?

Manchmal schon. Wir haben vier Mikrofone vorne an der Bühne angebracht. Da hört man wirklich alle Fehltritte. Außerdem spielen die Musiker ja auch live. Wenn es da mit den Kopfhörern technische Schwierigkeiten gibt, können sie sich nicht richtig hören.

Dane McKiernan
Dane McKiernan FOTO: Wim Lanser / National Dance company of ireland
(asg)