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| 19:09 Uhr

Suche nach der neuen Heimat

Nelly (Jördis Triebel) und ihr Sohn Alexej (Tristan Göbel) im nicht ganz so goldenen Westen. Foto: WDR / Frank Dicks / zero one film
Nelly (Jördis Triebel) und ihr Sohn Alexej (Tristan Göbel) im nicht ganz so goldenen Westen. Foto: WDR / Frank Dicks / zero one film FOTO: WDR / Frank Dicks / zero one film
Saarbrücken. In Saarbrücken ist Regisseur Christian Schwochow (37, „Der Turm“, „Die Pfeiler der Macht“) ein guter Bekannter: Sein Debüt „Novemberkind“ gewann 2008 den Publikumspreis des Ophüls-Filmfestivals. Heute zeigt Arte seinen Film „Westen“ über eine Flucht aus der DDR. Tobias Kessler

Endlich im Westen. Doch den hat sich Nelly (Jördis Triebel), die 1978 aus der DDR flieht, anders vorgestellt. Mit ihrem Sohn landet sie in einem Notaufnahmelager und rückt sofort ins Interesse der CIA : Vor zehn Jahren starb ihr russischer Freund bei einem Unfall in Moskau. Doch der Geheimdienst deutet an, dass er noch leben könnte - und vielleicht ein Spion ist. Verhör folgt auf Verhör: "Sie sind hier in Sicherheit", sagt man Nelly, "wir haben nur noch ein paar Fragen."

In seinem Kinodebüt "Novemberkind", 2008 ausgezeichnet beim Saarbrücker Ophüls-Festival, und dem TV-Zweiteiler "Der Turm" hat sich Regisseur Christian Schwochow schon mit der Ost-West-Historie beschäftigt; in "Westen" erzählt er von der Suche nach einer neuen Heimat - ein Thema, das er kennt. Schwochows Eltern hatten in der DDR einen Ausreiseantrag gestellt, der am 9. November 1989 genehmigt wurde. "Dieses Ankommen in der neuen Welt mit all seinen Problemen kannten wir auch", sagt Schwochow. "Ich habe den Herbst 1989 ja ganz direkt erlebt in Berlin, ich hatte viel gesehen von den Demonstrationen und Montags-Andachten." Dann landete Schwochow im beschaulichen Hannover. Kein leichter Start. "Ich kam aus dieser aufgeladenen Zeit und konnte das Erlebte schlecht vermitteln." Als "Ostpocke" (wie der Junge in "Westen") sei er damals nicht bezeichnet worden, "aber man wusste einige Zeit nichts mit mir anzufangen".

Schwochows Film, der auf Julia Franks Roman "Lagerfeuer" beruht, zeigt den Westen nicht als das gelobte Land, eher als Ort einiger enttäuschter Hoffnungen. "Ich wollte damit nicht sagen, dass die BRD nicht besser wäre als das Regime der DDR - das wäre falsch", sagt der Regisseur. Aber eine "einseitige Sicht vom dunklen kommunistischen System und von der anderen Seite, auf der immer alles richtig gemacht worden ist", ärgert ihn. "Mein Film soll erzählen, dass auch eine westliche Demokratie sehr eigene Mechanismen besitzt, die erstmal nichts mit Freiheit zu tun haben."

Das schildert "Westen" spannend, temporeich mit atmosphärisch-nostalgischer Ausstattung und vor allem mit einer famosen Darstellerin. Jördis Triebel, gerade noch im TV-Film "Die vierte Gewalt" zu sehen, spielt diese Nelly ausnehmend ausdrucksvoll. In der DDR war Nelly das systematische staatliche Misstrauen leid, dem sie sich jetzt, in der neuen Heimat BRD, wieder ausgesetzt fühlt. Sie reagiert enttäuscht, störrisch - und widersetzt sich mit ganz eigenen Methoden.

Heute, 20.15 Uhr, bei Arte .