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Kafka in der Grube Göttelborn

Franz (Axel Prahl) in seinem „Bau“, der mehr und mehr zur Festung wird. Foto: SR/Mephisto Film/Manuela Meyer
Franz (Axel Prahl) in seinem „Bau“, der mehr und mehr zur Festung wird. Foto: SR/Mephisto Film/Manuela Meyer FOTO: SR/Mephisto Film/Manuela Meyer
Saarbrücken. Drehort Saarland: Heute zeigt Arte die Kafka-Verfilmung „Der Bau“ mit Axel Prahl Tobias Kessler

"Irre kalt war es", sagt Regisseur Jochen Alexander Freydank (49) über die Dreharbeiten in Göttelborn, "es gab keinen Moment mit Sonnenschein". Im Februar vor vier Jahren hat er seinen Film "Der Bau" auf dem Gelände der Industriekultur Saar in Göttelborn gedreht, fast komplett, abgesehen von einem Tag in Luxemburg und einem Ausflug in die Völklinger Hütte. Der fertige Film erlebte seine Weltpremiere beim südkoreanischen Busan-Festival, lief 2015 beim Ophüls-Festivals in Saarbrücken und hat nun heute Abend seine TV-Premiere.



Um einen Mann geht es, den die Welt mit ihren Schreckensnachrichten und dem Arbeitsdruck immer mehr verängstigt; er zieht sich in seine festungsähnliche Wohnung zurück, seinen "Bau", während draußen langsam die Welt unterzugehen scheint. Der Film ist ein Herzensprojekt für den Regisseur, Autor und Produzenten Freydank. Mit 16, 17 hatte er Frank Kafkas Erzählung "Der Bau" gelesen, die ihn nie los ließ, und die er lange in ein Drehbuch umzuformen versuchte. Aus dem dachsartigen Tier bei Kafka wird bei ihm ein Mensch, das Thema bleibt: Rückzug, Angst, Isolation.

Kein Stoff für eine Sommerkomödie - entsprechend mühselig war die Finanzierung, bei der Freydank auch sein Kurzfilm-Oscar für "Spielzeugland" (2009) nicht entscheidend weiterhalf. Nachdem zuletzt das Saarland, die Saarland Medien und der SR als Koproduzent miteinstiegen, war das Projekt gesichert.

Die Hauptrolle spielt Axel Prahl: Man begleitet ihn in jeder Einstellung, beim Abgleiten in die Paranoia, beim Zusammenbruch, beim Mord. "Er spielt ja sonst anderes, aber ich wusste, dass er das kann", sagt Freydank, "er hat schnell zugesagt, meinte aber selbst, dass das ein harter Brocken ist." Auch Josef Hader als Hausmeister war schnell dabei und Tatort-Kommissar Devid Striesow - solche Zusagen waren Glücksmomente in einer Planungsphase mit "dunklen Momenten, auch wenn ich jetzt keine Sekunde bereue".

Der Film lässt vor Endzeit-Atmosphäre frösteln, der Verfall der Welt und der Hauptfigur sind förmlich spürbar. "Der Bau" lässt die Hintergründe dabei bewusst vage, die Möglichkeiten der Interpretation breit, man muss sich einlassen auf eine Bilderflut des Untergangs, auf manchmal verstörende und gedehnte Szenen. Dass das nicht jeder kann, weiß Freydank. "Den Film muss nicht jeder mögen. Aber ich musste ihn einfach machen."



Heute, 23.35 Uhr, ARTE

Regisseur und Autor Jochen Alexander Freydank. Foto: Dietze
Regisseur und Autor Jochen Alexander Freydank. Foto: Dietze FOTO: Dietze