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Gefesselt in einem fatalen Traum

Saarbrücken. Der Dokumentarfilm Reportage „Madagaskar: Verfluchtes Tal der Saphire“ des in Saarbrücker geborenen Journalisten Michael Unger ist eine Premiere auf Arte: Der Film vereint am Samstag, 17.05 Uhr, reale Bilder mit Zeichnungen. Marko Völke

Bei 38 Grad im Schatten graben 60 Männer seit acht Monaten täglich acht Stunden nach Saphiren. Und das für einen Lohn von 1,70 Euro am Tag. Alle, die in dem großen Loch, das sie "Schweizer Bank" nennen, schuften, haben die Hoffnung, durch den großen Fund reich zu werden. Bereits diese Einstiegsszene der Arte-Reportage, die am Samstag, 17.05 Uhr, läuft, macht deutlich, warum das Flusstal des Illaka in Madagaskar auch "Verfluchtes Tal der Saphire " genannt wird.

"Es geht um die Arbeit in den Saphir-Minen, unglaubliche Armut, Ausbeutung", fasst Michael Unger den Inhalt seiner 28-minütigen Dokumentation zusammen. Der gebürtige Saarbrücker war früher Politik-Redakteur der Saarbrücker Zeitung und lebt inzwischen seit 20 Jahren in Straßburg. Heute ist Michael Unger als Auslandsreporter für Arte im Einsatz. "Das Besondere an dieser Reportage ist, dass ich mit einem Zeichner unterwegs war und er all das, was die Fernseh-Kamera nicht filmen kann, in seinen Skizzen animiert hat", erklärt er. Eine Premiere auf "Arte Reportage". So träumt zum Beispiel einer der Arbeiter davon, einen riesigen Saphir zu entdecken: "Wenn ich ihn finde, wird alles anders," sagt er. Dazu sind Zeichnungen des Berliner Illustrators Bo Soremsky zu sehen, in denen die Wünsche des Schürfers von einem neuen Leben in Reichtum mit einem eigenen Auto wahr werden.

In einer anderen Szene wird die Situation nachgestellt, wie durch einen Zufall bei der Festnahme eines Viehdiebes einst das bedeutendste Saphir-Lager der Welt entdeckt wurde. Immer wieder gehen reale Aufnahmen in animierte Zeichnungen über.

Die Edelstein-Sucher gelten als wortkarg und misstrauig. Doch Unger gelingt es geschickt, sie vor die Kamera zu bekommen. Auch in der chaotischen Saphirgräber-Stadt des Illakatales wurde gedreht. Hier leben 30 000 Arbeiter unter haarsträubenden Bedingungen ohne sauberes Wasser und Infrastruktur. Die Kriminalität ist hoch. Zudem blickt die Reportage in die Buden der Saphir-Ankäufer aus Thailand und Sri Lanka, von den Einheimischen "Bossis" genannt. Sie zocken die einfachen Schürfer ab, kaufen die Edelsteine zu Niedrigpreisen auf: "Die Menschen sind in einem fatalen Traum an die Saphire gefesselt", erklärt der Sprecher des Films.

Samstag, 17.05 Uhr, Arte