| 20:51 Uhr

SR-Studiokonzerte
Hörenswerte musikalische Raritäten

Saarbrücken. Die SR-Studiokonzerte auf dem Saarbrücker Halberg starten vielversprechend in die neue Saison. Von Helmut Fackler

Die SR-Studiokonzerte sind traditionell Spielort für Uraufführungen, selten gehörte Werke und Raritäten. So auch im ersten Konzert der neuen Saison am Freitag im SR-Sendesaal auf dem Halberg. Camille Saint-Saens war selbst wohl nicht von seiner Ouvertüre „Spartacus“ überzeugt. Er wollte nicht, dass sie nach der Uraufführung „wiederbelebt“ wurde. Verlegt wurde sie erst 63 Jahre nach seinem Tod 1921. Vier große Sexten stürzen thematisch zu Beginn in die Tiefe, erfahren vielfache Entwicklung und Kombinationen. Die Geschichte um den Freiheitskämpfer Spartacus wird deutlich. In einem Triumphmarsch mit herrisch schmetternden Trompeten und Dschinderassabum werden die Ideale weitergetragen. Die Deutsche Radio Philharmonie setzte sich schlagkräftig für diese Rarität ein, von Gastdirigent Enrico Delamboye eifrig, aber präzise gesteuert.


Fast zehn Jahre hat der Violinvirtuose Henryk Wieniawski an seinem 2. Violinkonzert gearbeitet. Keine schnelle Gelegenheitsarbeit also für den Konzertgebrauch, sondern Nachweis seiner künstlerischen Reife und kompositorischen Tiefe. Ohne Virtuosen-Allüre vertiefte sich Clara-Jumi Kang auf ihrer Stradivari in die oftmals sinfonische Faktur. Edel, fast kühl war der Ton und edel auch die Interpretation mit vielen agogischen Raffinessen. Dirigent und Orchester wussten sich vorzüglich damit zu synchronisieren. Stürmischer Beifall ließ eine Zugabe folgen: Besinnlichkeit mit dem „Largo“ aus Bachs Solosonate C-Dur.

César Francks Sinfonie d-moll orientiert sich zwar am klassischen Vorbild. Sie entwickelt jedoch in zyklischer Form in drei Sätzen mittels Motivmetamorphose in fortlaufender Sequenzbildung eine neuartige, berührende Struktur. Die originelle Instrumentierung lässt an den Organisten Franck denken und bietet dem Orchester alle Möglichkeiten, französische Romantik auszuspielen. Mit großer Dynamik gelang eine Interpretation, die weitgehend perfektes Zusammenspiel mit ansprechender agogischer Gestaltung verband.