| 20:51 Uhr

Neue Schau im KuBa Saarbrücken
Behutsam die Seele freigelegt

Selbstportrait von Volkmar Gross, gemalt 1949.
Selbstportrait von Volkmar Gross, gemalt 1949.
Saarbrücken. Das KuBa Kulturzentrum am Eurobahnhof in Saarbrücken zeigt Arbeiten des saarländischen Malers Volkmar Gross.

Wie wichtig das Kulturzentrum am Saarbrücker Eurobahnhof (KuBa) für die regionale Kulturszene ist, beweist wieder einmal die aktuelle Ausstellung in der Galerie des Hauses. Es ist dem KuBa und seinem Kurator Andreas Bayer zu verdanken, dass hier immer wieder saarländische Künstler des 20. Jahrhunderts gezeigt werden, die drohen, in Vergessenheit zu geraten.


Volkmar Gross (Jahrgang 1927) ist einer dieser wieder zu entdeckenden Künstler. Der Grafiker und Maler hatte sich in den 1950er Jahren einen Namen erarbeitet und war mehrfach auch im Saarlandmuseum zu sehen, doch nach seinem Tod im Jahr 1992 wurde es ruhig um den Saarbrücker. Nun sind in einer Ausstellung im KuBa Werke aus allen Schaffensphasen zu sehen, die beweisen, welche Qualität Gross‘ Werk hat. Andreas Bayer durfte sich für die Schau in der Kunstsammlung des Saarlandes bedienen und die Schwester des Künstlers gewährte Zugang zum Nachlass. So konnte der Kurator gemeinsam mit dem Künstler Dirk Rausch mehr als 60 Werke auswählen.

Das Werk von Volkmar Gross ist einzigartig und kaum mit dem Oeuvre der Zeitgenossen zu vergleichen. Als Kind stürzte Gross schwer und musste eine Wirbelsäulenverletzung in der Schweiz auskurieren. Der Knirps lag viele Monate regungslos in einem Gipskorsett und konnte nur an die Decke starren. Er floh vor der Langeweile und den Schmerzen in eine Fantasiewelt, die später seine Bilder bestimmen sollte.



1946 gehörte er zu den ersten Studenten der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken und wurde Meisterschüler von Frans Masereel. Wie viele andere Künstler seiner Generation studierte er dann in Paris, kehrte aber ins Saarland zurück und ließ sich 1951 als freier Künstler nieder. Anfangs übernahm Volkmar Gross den Stil seines Lehrers, wie Linolschnitte aus der Zeit in Paris beweisen. Doch schon Anfang der 1950er Jahre fand der Künstler seinen eigenen Ausdruck. Die Gemälde und Grafiken wurden zarter und fast scheint es so, als legte er die Seele der Menschen frei, als befreite er sie von Haut und Textilien. Subtil aber gezielt schuf er Stimmungen und Atmosphäre in seinen Ansichten. Und zunehmend wurden auch die Motive eigenwilliger.

Thematisch stellte Gross den Menschen in den Vordergrund und entwickelte aus seiner Traumwelt ganz eigene Motive. Erdachte und reale Landschaften, Stillleben, Artisten, Schiffe und die von ihm so genannten „Behausungen“ stehen im Mittelpunkt des Werkes. Diese Behausungen sind Gebäude, die wie Bühnenbilder oder Puppenhäuser geöffnet sind und einen Blick in das Innere ermöglichen. Gross zeigt uns Szenen mit Menschen, die feiern und tanzen und denen doch die unbeschwerte Fröhlichkeit fehlt. In vielen Werken sitzen Menschen zusammen und kommunizieren doch nicht miteinander. Die Protagonisten scheinen seltsam entrückt, was noch dadurch verstärkt wird, dass der Künstler sie oft vor unbestimmbaren Hintergründen platziert. Schnell erkennt man, dass sein Thema die Einsamkeit war und die Sehnsucht nach Liebe und Freundschaft. Zeitgenossen beschrieben ihn als sehr zurückhaltend und introvertiert. Verheiratet war er nie, nur selten gab es Frauen an seiner Seite. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Frauen als archetypische Idealbilder auftauchen.

Die sehenswerte Ausstellung lässt aufgrund der räumlichen Enge nur einen beschränkten Einblick in das Werk zu, ermöglicht aber durchaus einen retrospektiven Gesamteindruck. Wunderbar zusammengestellt korrespondieren die Werke in thematischer Hängung miteinander, lassen aber Querverweise und Entwicklung des Künstlers erkennen und gewähren einen Einblick in sein Seelenleben.

Die Ausstellung läuft bis 25. November im Kulturzentrum KuBa am Saarbrücker Eurobahnhof. Di-Fr 10-18 Uhr. Sa/So: 15-18 Uhr.