| 20:27 Uhr

Carolin Kebekus in der Saarlandhalle
„Saarbrücken, war das jetzt zu sexuell?“

 Carolin Kebekus in der Saarbrücker Saarlandhalle.
Carolin Kebekus in der Saarbrücker Saarlandhalle. FOTO: Sebastian Dingler
Saarbrücken. Carolin Kebekus ist in der Saarlandhalle aufgetreten. Ein bunter Abend mit AfD-Wähler-Veräppelung, Zoten und Medienkritik mit ein wenig Doppelmoral. Von Sebastian Dingler

„Ich bin ja nicht männerfeindlich, aber…“ – dieser Satz von Carolin Kebekus, die jetzt in der Saarlandhalle auftrat, erzeugte viel Gelächter und Gejohle, war er doch als Persiflage auf den häufig gehörten Spruch „Ich bin ja nicht ausländerfeindlich, aber…“ gemeint. Den hatte die Komikerin kurz zuvor zitiert. Rechte, Ausländerfeinde und Antifeministen nahm Kebekus bei ihrem Gastspiel in der mit 4100 Zuschauern ausverkauften Halle besonders ins Visier. Kein Wunder, steht die 38-jährige doch für das genaue Gegenteil: Als unter vielen Migranten in Köln-Ostheim Aufgewachsene hielt sie ein flammendes Plädoyer für die Multikulti-Gesellschaft; beim Thema Feminismus wiederum war ihr wichtig, diesen von gewissen Klischees der Lustfeindlichkeit zu befreien. „Ihr Feministinnen gehört doch nur mal richtig durchgebumst“, habe sie mal als Kommentar lesen müssen. Ihre pfiffige Replik darauf: „Woher weiß er das? Das stimmt – aber wer möchte das denn nicht sein?“.


Andererseits begab sie sich an anderer Stelle aufs gleiche Niveau mit dem Spruch „den besorgten Bürgern muss es nur mal richtig besorgt werden.“ AfD-Wähler hätten nun mal so einen Samenstau, dass ihr rechter Arm zum Hitlergruß erigiere. Feministin zu sein und mit Wonne Oralverkehr auszuüben, sei für sie kein Widerspruch. Nun gut, den Begriff „Oralverkehr“ drückte die Komikerin etwas direkter aus, denn neben Feminismus und Pro-Multikulti vertrat sie noch vehement eine dritte Haltung: das Prollige.

Ob sie damit männliche Kollegen toppen oder ganz emanzipatorisch dem Verdikt entgegentreten wollte, eine Dame dürfe nicht ordinär sein? Jedenfalls jagte bei ihr eine Zote die nächste, was das überwiegend weibliche und junge Publikum begeisterte. Über Schamhaarentfernung, Pornobilder, seltsame Sexratgeber und die Menstruation ging es zum Dirty Talk im Bett und die Orgasmusprobleme von Frauen. Interessant, dass sie zwischendurch einmal fragte „So, Saarbrücken, war das jetzt zu sexuell?“ und dafür eine eher unentschiedene Reaktion des Publikums bekam. Spannend war auch, wie die sonst tobende Halle sehr still wurde, als Kebekus beklagte, die Gesellschaft verliere immer mehr an Empathie wegen Instagram, dem Bewertungswahn und Magazinen, die sich am schlechten Gesundheitszustand der Brustwarzen einer B-Prominenten nach einer OP ergötzen. Als sie aber auch den Namen der bedauernswerten Person aussprach, hatte das etwas von Doppelmoral: Kann man beklagen, dass intime Details als Unterhaltung ausgeschlachtet werden und dann exakt das Gleiche vor über 4000 Leuten tun? Aber für Nachdenklichkeit war eher kein Platz in einer Show, die wie eine Dampfwalze daherkam. „Pussy Terror“ nennt Carolin Kebekus ihr Programm schon seit vielen Jahren – besser kann man es nicht beschreiben.