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Kunst-Installation in Reden
Bergbau-Geschichten in Körben

Körbe aus Latten hat Martin Steinerts für das „Kumpel-Projekt“ im Wassergarten in Landsweiler-Reden installiert. Sie erinnern an die Körbe der Bergleute, die an Seilen hochgezogen wurden, in den Waschkauen der Grube.
Körbe aus Latten hat Martin Steinerts für das „Kumpel-Projekt“ im Wassergarten in Landsweiler-Reden installiert. Sie erinnern an die Körbe der Bergleute, die an Seilen hochgezogen wurden, in den Waschkauen der Grube. FOTO: Martin Steinert, André Mailänd / andre mailaender
Reden. Der Künstler Martin Steinert installiert in Landsweiler-Reden und in Essen ein Projekt zum Ende des Kohleabbaus in Deutschland. Von Bülent Gündüz

Am 20. Dezember 2018 ist es so weit. Im Ruhrgebiet wird mit Pros­per-Haniel das letzte Steinkohlenbergwerk in Deutschland stillgelegt. Mit dem Projekt „Kumpel“ wird der saarländische Künstler Martin Steinert in den kommenden Monaten noch einmal an die Ära des Steinkohlebergbaus und die Verbundenheit von Saarrevier und Ruhrgebiet erinnern. Am vergangenen Wochenende hat der Künstler seine Installation in den Wassergärten der ehemaligen Grube Reden aufgehängt. Am 30. Juni 2018 wird er in der Zeche Zollverein in Essen im Rahmen des 13. Deutschen Bergmannstags und der Nacht der Industriekultur die gleiche Installation aufstellen.


Schon einmal hat Steinert 2014 in den Wassergärten mit „Gegenort“ eine Skulptur errichtet, die mit den Jahren einzustürzen drohte und entfernt werden musste. Kein Wunder, denn Steinerts bevorzugtes Material sind einfache Dachlatten aus Kiefernholz oder Lärche. Mit diesem eckigen und eher sperrigen Material ersinnt der Künstler abstrahierte Formen. Manchmal erinnern die Objekte an Nester, dann wieder an Wolken, Wellen oder Bögen. Ihnen immanent ist aber sehr oft der Eindruck von Bewegung und Dynamik. Aber auch geometrische Formen kommen im Repertoire des Künstlers vor. Die meisten Arbeiten haben eher skulpturalen Charakter, nur selten wird Steinert als Installationskünstler aktiv. Allerdings haben auch die Skulpturen meist ein installatives Element, denn sie stehen häufig als Intervention an öffentlichen Orten und verändern dort den Raum, sodass der Betrachter die Situation vor Ort neu sehen und erfahren kann.

Nun hat man Steinert zum Ende des Bergbaus gebeten, sich erneut Gedanken zu machen. Steinert kam auf die Idee, die Waschkauen zu versinnbildlichen als intimen Ort der Begegnung und des Austausches. In der Kaue kommen die Bergleute an, ziehen sich um. Hier endet auch die Schicht mit der Dusche und dem Umziehen. Ihre Kleidung legen die Bergleute in Körbe oder hängen sie an Haken, die sie dann an die Decke ziehen. Das Gewirr aus Ketten, Seilen und Körben bietet eine ganz besondere Ästhetik.



Aus seinem liebsten Material hat Steinert für Essen und Reden je 200 Lattengestelle gefertigt, von denen keines wie das andere ist. Die Unikate sollen die Körbe der Kaue darstellen. In diese hat der Künstler farbige Tücher gehängt, in die er in persönlichen Gesprächen gesammelte Geschichten von Bergleuten eingewickelt hat. „Es sind Anekdoten, die zeigen, wie sehr der Bergbau die Region und ihre Menschen geprägt hat“, so Steinert. In einigen Metern Höhe hängen die Körbe dann an Drahtseilen und überspannen ein Wasserbecken, in dem sie sich spiegeln.

Einige der Geschichten sollen in einem Buch veröffentlicht werden, das in den nächsten Monaten erscheinen und auch das Projekt dokumentieren wird. Außerdem begleitet die französische Filmemacherin Mathilde Nodenot das Projekt.

Den temporären Charakter seiner Skulpturen und Installationen, die mittlerweile an vielen Orten in Europa entstanden sind, plant Martin Steinert ein. Oft setzt das Material die Grenzen, denn das Holz ist unbehandelt, wird zuerst grau und irgendwann faulen. Wie lange dieses Projekt bleiben wird, ist noch nicht klar, doch zum Ende des Bergbaus soll es wieder verschwinden – und Leere hinterlassen. „Vielleicht“, so Steinert, „werde ich die Körbe an einem Ort zusammenführen und als Wand aufstapeln.“