Künstlerleben im Spiegel der Freunde

Künstlerleben im Spiegel der Freunde

Ihr bewegtes Leben spiegelt sich in ihrer Kunst: Die deutsch-französische Malerin Lou Albert-Lasard erlebte beide Weltkriege, ihren Geliebten Rainer Maria Rilke porträtierte sie ebenso wie Einstein oder Chagall. Die Schau nähert sich der Künstlerin durch Werke ihrer Künstlerfreunde, zu denen Kandinsky oder Klee zählten.

Ebenso wenig wie sich im Zweiten Weltkrieg ihre Nationalität festlegen ließ, lässt sich der Stil dieser Künstlerin einer bestimmten Richtung zuordnen. Lou Albert-Lasard, die in Lothringen geborene Jüdin mit deutschem Pass, fertigte farbenfrohe Ölgemälde und bannte präzise Porträts von befreundeten Intellektuellen in Lithografien; ihre Reisen nach Indien brachten blasse, aber faszinierende Aquarellszenen hervor. Ihre Kunst gab sie selbst im südwestfranzösischen Internierungslager Gurs nicht auf. In den Monaten ihrer Haft entstanden um die 50 eindrucksvolle Zeichnungen des Lageralltags. In der kleinen, aber feinen Schau "Begegnungen. Lou Albert-Lasard und ihre Künstlerfreunde" zeigt das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern auch eine Zeichnung aus Gurs.

Aber nicht die Werke der Künstlerin selbst stehen im Vordergrund, vielmehr Farbholzschnitte, Lithografien oder Linolschnitte ihrer Künstlerfreunde. Zu sehen sind die "Nachtgeburt" (1932) von Paul Klee, "Lyrisches" (1911) von Wassily Kandinsky, ein "Selbstbildnis" (1914) von Oskar Kokoschka oder die "Bewegung" (1920) von Otto Freundlich.

Inwieweit die Werke ihrer Künstlerfreunde Albert-Lasards Werk im Detail beeinflussten, vermag die Schau nicht nachzuzeichnen; sie gibt aber einen spannenden Einblick in die Vielfalt der Kunststile zwischen den Kriegen.

Albert-Lasard experimentierte in ihren frühen Arbeiten mit allerhand Ausdrucksformen - vom Symbolismus bis zum Abstrakten. Nach 1910 setzt sich in ihrem Schaffen die figurative Malerei und Grafik durch. Aber am lebendigsten und emotionalsten sind ihre Werke aus den "roaring twenties", den Goldenden 20ern: Albert-Lasards sicheres Gespür für Wahl und Anordnung der Farben ihrer Aquarelle zeigt sich vor allem in Szenen des Pariser Nachtlebens oder in den Berliner Straßenansichten. Ihre Figuren haben schon mal einen spöttischen oder blasierten Blick, tiefrote Wangen und Lippen, grünliche Gesichter und rabenschwarzes Kurzhaar.

Die raffinierten Porträts trafen nicht nur die individuellen Gesichtszüge äußert lebendig, sondern verewigten an ihnen auch eindrucksvoll den jeweiligen Gemütszustand: den grüblerischen Seitenblick von Jean Cocteau, die hinter der Nickelbrille wach leuchtenden Augen von Mahatma Gandhi, die dunklen Höhlen auf den Wangen von Marc Chagall. Als Original zeigt die Schau etwa ein Porträt von Albert Einstein.

Albert-Lasard, von Zeitgenossen als temperamentvolle und auffallend schöne Frau beschrieben, wurde 1885 im damals deutsch besetzten Metz als Tochter einer jüdischen Familie geboren. Vor dem Krieg studierte sie Bildende Kunst in München, wo sie Rainer Maria Rilke kennenlernte und Künstler des "Blauen Reiter". Zwei Jahre verbrachte sie in einer Schweizer Künstlerkolonie, dann schloss sie sich der avantgardistischen Künstlervereinigung Novembergruppe in Berlin an. Ab 1928 lebte sie in Paris und wurde Teil der Künstlergruppe des Montparnasse. Mit ihrer Tochter bereiste sie Indien, Nordafrika und China. 1969 starb sie in Paris.

Anlass zu der Schau, welche die Pfalzgalerie größtenteils aus der eigenen Sammlung bestreitet, ist die Gedenkarbeit des Bezirksverbands Pfalz an die Opfer des Lagers Gurs.

Bis 15. September. Di 11-20 Uhr, Mi-So 10-17 Uhr, Mo geschlossen. Infos: www.mpk.de