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Künstler-Kontraste

Saarbrücken. 80er-Jahre-Nostalgie (wenn man sie denn verspürt) hin oder her: "I should be so lucky", der erste Hit von Kylie Minogue, ist nach wie vor schrecklichster Plastik-Schrott. Das weiß auch Frau Minogue

Saarbrücken. 80er-Jahre-Nostalgie (wenn man sie denn verspürt) hin oder her: "I should be so lucky", der erste Hit von Kylie Minogue, ist nach wie vor schrecklichster Plastik-Schrott. Das weiß auch Frau Minogue. Am Schluss der wenig originell betitelten Konzert-DVD "Kylie 2008" (Anbieter: Polyband) singt sie ihn mit einer Miene zwischen Ironie und peinlicher Berührtheit. Die 27 vorherigen Stücke, aufgezeichnet in der Londoner 02 Arena, sind da besser, wenn auch nicht mehr als radiofreundlicher Pop. Famos ist aber die irrwitzige Inszenierung: Die Australierin schwebt in einer futuristischen Schaukel ein, schlüpft in Geisha- und Dominakostüme, in orientalische Gewänder und in edle Abendkleider. Ihre Tänzer wirbeln in Samurai-Gewändern umher und als Matrosen in einer homoerotisch aufgeladenen Szenerie. Da tritt die Musik in den Hintergrund, was nicht einmal das Schlechteste ist. Als Show, als knallbunte Revue ist das eine fantastische Inszenierung, die nur derjenige nicht goutieren wird, der seine Musikhelden gerne "authentisch" in karierten Baumwollhemden sehen will.



Wenn vielleicht nicht optisch, dann aber musikalisch ein ganz anderes Kaliber ist Liedermacher-Legende Leonard Cohen. Das sehen einige prominente Kollegen genauso - deshalb haben sie im Januar 2005 als Hommage ein Konzert gegeben. Der Film "I'm your man" (Anbieter: 3L) verbindet diese Aufnahmen (unter anderem sind Martha und Rufus Wainwright, Nick Cave, Beth Orton und Jarvis Cocker zu hören) mit Archivbildern und Interviews mit Cohen. Ein merkwürdiges, aber reizvolles Konzept. Während sich die Künstler sehr unterschiedlich dem Material nähern (Jarvis Cocker dezent ironisch, U2 wie ehrgeizige Schüler im Angesicht des Lieblingslehrers), erzählt Cohen vom Leben, vom frühen Tod des Vaters und dem für ihn erfreulich klaren Leben zwischen Klosterwänden. Ein eigenwilliges, kauziges Porträt und somit perfekt passend zu Cohen passend. tok