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Künstler Aloys Ohlmann ist gestorben

Baltersweiler. Gerade noch kam ein Kartengruß im Nachgang der Ausstellung in der Universitäts- und Landesbibliothek aus Anlass seines 75. Geburtstags. sg

"Mail-Art", die Kunst des kritischen Grüßens frei Haus war seit jeher für den in Baltersweiler lebenden Künstler Aloys Ohlmann ein charakteristisches Medium: sinnenfroh mit Stift, Federmesser, Schere und Bildhauereisen Figuren zu packen, mit Politik und Gesellschaft als Rahmen seiner Kunst. Das sorgte für eine Nähe zu Picassos Figurenwelt wie zum gesellschaftsbezogenen Aktionismus eines Joseph Beuys, der in den 1970ern in Baltersweiler zu Gast war.

Bei seinem Vater hatte Ohlmann das Malerhandwerk erlernt, bei Boris Kleint an der ehemaligen Staatlichen Werkkunstschule in Saarbrücken Malerei studiert und später als Kunsterzieher an der Realschule in Namborn-Oberthal unterrichtet. Das war sein Standbein, wie er einmal formulierte, während das Spielbein der Kunst ergeben war. Das hat er weit geschwungen, ob in der für Happenings und Aktionen zuständigen "Gruppe 7" oder beim Saarländischen Künstlerbund, dem er seit Jahrzehnten angehörte und in dem er vergeblich versuchte, der von einem Künstlerkollektiv betriebenen "Galerie im Zwinger" in St. Wendel Rückhalt zu verschaffen.

In den letzten Jahren waren seine Botschaften genussvoll in Melancholie getaucht, dem Beobachten und Wissen ergeben, wovon noch die letzte Ausstellung "Miseren" und "Tagträumer" erzählte. Dann plötzlich Stillstand. Keine Karte, sondern übers Telefon die Nachricht, dass Aloys Ohlmann gestern morgen gestorben ist. "Von hier aus...!" war der letzte Gruß überschrieben. Der Standpunkt ist verlassen, der Künstler hat sich aufgemacht.